Gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht

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jule2005 Avatar

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Schon die Grundidee hat mich neugierig gemacht: Eine uralte Prophezeiung besagt, dass „Niemand“ das Reich retten wird und genau deshalb wird die junge Soli, die ihr Leben bislang als unbedeutende Leibeigene verbracht hat, plötzlich zum Mittelpunkt des Schicksals eines ganzen Königreichs. Dieser Wortwitz bildet den Ausgangspunkt für ein klassisches Fantasy-Abenteuer, das mit sympathischen Figuren und emotionalen Themen punktet.

Besonders gut gefallen hat mir Soli als Protagonistin. Sie startet ihre Reise voller Selbstzweifel und hat mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen, die sehr einfühlsam in die Geschichte eingebunden wurde. Ihre Ängste und Rückschläge definieren sie nicht, sondern machen ihre Entwicklung umso glaubwürdiger. Zu beobachten, wie sie langsam Vertrauen in sich selbst gewinnt und über ihre eigenen Grenzen hinauswächst, war für mich einer der stärksten Aspekte des Buches.

Auch die übrigen Mitglieder der Reisegruppe bringen ihre ganz eigenen Geschichten und Probleme mit. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft auf ihrer gefährlichen Mission zu begleiten. Besonders die Dynamik innerhalb der Gruppe sorgt dafür, dass selbst ruhigere Momente am Lagerfeuer oder Gespräche unterwegs ihren Reiz haben. Man merkt, wie die Figuren nach und nach zusammenwachsen.

Das Worldbuilding ist gelungen und angenehm zugänglich. Die verschiedenen Völker, die religiösen Elemente und das Magiesystem fügen sich zu einer stimmigen Welt zusammen, ohne den Leser mit Informationen zu überfordern. Kleine Einschübe zwischen den Kapiteln liefern zusätzliche Hintergründe zur Geschichte, Kultur oder Politik des Reiches und machen das Setting noch lebendiger. Auch die Karte zu Beginn des Buches ist eine schöne Ergänzung.

Der Schreibstil liest sich flüssig und sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten kommt. Zwar erfindet Nobody's Quest das Fantasy-Rad nicht neu, doch das muss es auch gar nicht. Die Geschichte lebt von ihrer Atmosphäre, den sympathischen Charakteren und den Geheimnissen, die sich nach und nach entfalten. Einige Wendungen konnte ich zwar früh erahnen, trotzdem wollte ich unbedingt wissen, wie die Autorin sie umsetzt und welche Überraschungen noch auf die Gruppe warten.

Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und nimmt einen größeren Platz ein, als ich zunächst erwartet hatte. Insgesamt hat mir diese Entwicklung gefallen, weil sie sich organisch anfühlt und den Figuren genügend Raum lässt. Lediglich einige Dialoge wirkten auf mich etwas überzogen und haben mich kurz aus der Geschichte gerissen.

Das Finale liefert schließlich einige spannende Enthüllungen und wirft gleichzeitig neue Fragen auf, die neugierig auf die Fortsetzung machen. Gerade dort zeigt sich, dass die eigentliche Geschichte vermutlich erst begonnen hat.

Fazit:
Nobody's Quest ist ein gelungener Auftakt für alle, die klassische High Fantasy mit einer sympathischen Heldin, einer langsam wachsenden Romanze und einer Gruppe liebenswerter Außenseiter mögen. Besonders die sensible Darstellung von Selbstzweifeln und Depression verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Auch wenn nicht jede Überraschung völlig unvorhersehbar ist, überzeugt der Roman mit seinem charmanten Worldbuilding, starken Figuren und einem Ende, das Lust auf den nächsten Band macht.