Interessanter Reihenauftakt

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lynn253 Avatar

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In Nobody's Quest wurde die Göttin Artemisen von ihrer kriegerischen Schwester eingesperrt. Seitdem herrschen in Altarra immer düster werdende Bedingungen: Schneefälle bleiben aus, Ernten verdorren und die brutalen wie gefährlichen Zhagarn fallen ein. Um das Land zu retten, beauftragt der König eine zusammengewürfelte Gruppe damit, die Schlüssel zu finden, mit denen Artemisen befreit werden kann. Zur Reisegruppe gehören Prinz Kaelen, der Erbe eines verlorenen Königreichs, eine Magierin, zwei geheimnisvolle Krieger, zwei Soldaten des Königs, ein Dieb und natürlich die Protagonistin Soli.

Soli ist eine Waise, Leibeigene und wird aufgrund ihrer psychischen Erkrankung stigmatisiert. Seit ihrem vierten Lebensjahr lebt sie unter unmenschlichen Bedingungen – und ist trotzdem ein mutiger, ehrlicher und starker Mensch geblieben. Für mich wurde sehr eindrücklich geschildert, was sie in ihrer Vergangenheit erlebt hat und wie sehr diese Erfahrungen ihr Selbstbild geprägt haben. Sie sieht sich selbst als "Niemand". Genau hier setzt auch die spannende Prämisse der Geschichte an: Einer Prophezeiung zufolge kann niemand das Amulett der Göttin berühren und überleben. Doch Soli ist ein "Niemand" – und sie überlebt.
Besonders schön fand ich ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte. Nach und nach gewinnt sie an Selbstvertrauen und beginnt, ihren eigenen Wert zu erkennen. Dass dieser Weg alles andere als einfach oder gradlinig verläuft, wurde für mich sehr einfühlsam dargestellt.
Ein weiteres Detail, das ich spannend fand: Soli hat in einer Bibliothek gearbeitet und sich durch Bücher unglaublich viel Wissen angeeignet. Gleichzeitig hat sie vieles, worüber sie gelesen hat, selbst nie erlebt oder ausprobiert. Diese Kombination aus großem theoretischem Wissen und fehlender eigener Erfahrung fand ich ein wirklich interessantes Konzept.

Besonders hervorheben möchte ich außerdem die Darstellung von Depression beziehungsweise psychischer Erkrankung. Soweit ich mich erinnern kann, ist mir dieses Thema in einem Fantasyroman bisher noch nicht begegnet. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass es hier Raum bekommt und so selbstverständlich in die Geschichte eingebunden wurde. Positiv aufgefallen ist mir außerdem, dass die Autorin im Nachwort darauf eingeht, dass eine depressive Episode in der Realität nicht zwangsläufig so schnell überwunden ist wie in Solis Geschichte. Diese Einordnung fand ich als Leserin sehr hilfreich.

Auch die übrigen Figuren haben mir gut gefallen. Sie bringen ganz unterschiedliche Hintergründe und Perspektiven mit, wodurch eine interessante Gruppendynamik entsteht. Es hat Spaß gemacht zu verfolgen, wie sie nach und nach zusammenwachsen und trotz aller Unterschiede unerwartete Gemeinsamkeiten entdecken. Gleichzeitig bleibt auch die Reise selbst spannend und hält einige überraschende Wendungen bereit.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Er ließ sich sehr angenehm lesen und ich konnte mir die Figuren, Orte und Szenen jederzeit gut vorstellen. Auch die Fantasy-Welt war interessant aufgebaut und wurde so erklärt, dass ich mich gut zurechtgefunden habe, ohne von Informationen erschlagen zu werden.

Ein kleiner Kritikpunkt war für mich allerdings die Beziehung zwischen Soli und Prinz Kaelan. Die Liebesgeschichte hat mich nicht immer ganz abgeholt. Auf mich wirkte es manchmal etwas widersprüchlich, dass Soli einerseits eher isoliert aufgewachsen ist, andererseits aber in Bezug auf Sexualität und Beziehungen teilweise sehr erwachsen beziehungsweise reflektiert wirkt. Das hat für mich nicht immer ganz zusammengepasst.

Insgesamt hat mir Nobody's Quest aber richtig gut gefallen. Vor allem Solis Entwicklung, die interessanten Figuren und die gelungene Verbindung aus Fantasy und der sensiblen Auseinandersetzung mit psychischer Erkrankung machen das Buch für mich zu etwas Besonderem. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Geschichte weitergeht.