Komplexe Hülle, sehr schlichter Kern

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julemaus94 Avatar

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Allein das Cover dieses Buches verspricht eine komplexe Fantasystory mit Verstrickungen, Irrgängen und großen Gefühlen. Die Geschichte dahinter lässt leider einiges zu wünschen übrig, dabei fing es so gut an!

In Altarra herrscht Krieg, seit die zwei Götterschwestern gegeneinander kämpfen. Um das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen, muss die unterlegene Schwester aus ihrem Gefängnis befreit werden. Doch der dafür nötige Schlüssel kann nur von einem Niemand berührt werden. Und damit beginnt die wilde Reise quer durchs Land für Bibliothekssklavin Soli. Begleitet wird sie von einer wilden Mischung an Gefährten, die ihr im Laufe der Suche immer mehr ans Herz wachsen.

Das Buch biete wirklich viel Gutes: eine ausgeklügelte Welt aus Göttern, fantastischen Kreaturen und bösartigen Monstern. Dazu ein paar einzigartige Figuren, die zu einer Found Family zusammenwachsen sollen- nehme ich zumindest an.

Denn bis auf Soli und ihren Love Interest Prinz Kaelen erfahren wir nicht wirklich viel über die Figuren. Sie bleiben leider sehr blass und spielen für die Handlung nur dann eine Rolle, wenn Soli mal wieder ihre Eignung als wandelndes Lexikon beweisen soll.

Auch die Handlung lässt etwas zu wünschen übrig. Wo anfangs noch aufs Tempo gedrückt und die Spannung hochgehalten wird, lässt beides spätestens ab dem Moment nach, in dem Soli und Kaelen sich näher kommen (also ab dem zweiten Tag ihrer gemeinsamen Reise).

Danach steht das gegenseitige Anschmachten mehr im Vordergrund als das Vorankommen auf der Suche nach dem Schlüssel. Dabei driften die Dialoge leider immer mehr ins Schmalzige und Pathetische ab und brennen Löcher ins dünne Handlungsgerüst.

Die größte Enttäuschung hat mich aber am Ende erwartet: ich hatte mich auf eine überzeugende und vor allem abgeschlossene Geschichte gefreut. Spätestens im letzten Kapitel wird aber klar, dass dies nur der Beginn einer weiteren Romantasyreihe war. Und ich bin wirklich nicht bereit, mir Solis Melodrama für mindestens ein weiteres Buch anzutun. Da hilft auch die einzige humorvoll-sarkastische Figur des ganzen Buches nicht mehr, die leider viel zu spät im Epilog noch eingeführt wurde.