"Schon mein ganzes Leben flößt meine Krankheit mir Gift ein."

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jess.liest Avatar

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Ich hatte recht hohe Erwartungen an „Nobody's Crest“, da mir die Grundidee gut gefallen hat. Die Einbindung psychischer Erkrankungen wie Depressionen in einem Fantasybuch, genau mein Ding. Leider hätte ich mir gerade hier noch etwas mehr Tiefe gewünscht, denn dieser Aspekt hatte für mich viel Potenzial.
Zudem hatte ich Schwierigkeiten mit den Charakteren. Die Dialoge wirkten auf mich häufig sehr flach und dadurch blieben auch die Figuren selbst eher oberflächlich. Soli ist zwar durchaus eine sympathische Protagonistin, aber ihre Entwicklung konnte ich stellenweise nicht nachvollziehen. Auch ihre Begleiter sind durchweg interessante Charaktere, die aber aufgrund mangelnder Informationen zu blass blieben. Mir fehlte die emotionale Tiefe, um wirklich mit ihnen mitzufühlen oder eine stärkere Verbindung aufzubauen. Gerade bei den Beziehungen untereinander hätte ich mir mehr Entwicklung und nachvollziehbare Dynamik gewünscht.
Auch die Handlung hatte für mich vor allem in der Mitte einige deutliche Längen. Die Geschichte kam dadurch immer wieder ins Stocken und ich musste mich stellenweise etwas zum Weiterlesen motivieren. Dabei ist die Grundidee wirklich interessant und hätte meiner Meinung nach deutlich mehr hergegeben.
Ein weiterer Punkt, der für mich nicht ganz zum Jugendbuchcharakter gepasst hat, war der vergleichsweise hohe Spice-Anteil. Positiv hervorheben möchte ich allerdings, dass beim Thema Consent sehr deutlich darauf geachtet wird. Das fand ich tatsächlich angenehm und wichtig, gerade in diesem Genre.
Insgesamt hatte „Nobody's Crest“ für mich einige gute Ansätze und wichtige Themen, konnte diese aber leider nicht so umsetzen, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Grundidee hat mir gefallen und gerade der Umgang mit psychischen Erkrankungen ist definitiv positiv hervorzuheben. Trotzdem fehlten mir bei den Figuren die Tiefe, bei den Dialogen mehr Natürlichkeit und bei der Handlung gerade in der Mitte etwas mehr Tempo.
Für mich daher insgesamt ein solides Buch mit viel Potenzial, das aber leider nicht ganz ausgeschöpft wurde.