Der Wettlauf gegen die Zeit vom Krankenbett aus!

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madame_f Avatar

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Schon der Einstieg in die ersten Kapitel von „Noch fünf Tage“ von Helena Falke ist radikal: Lis denkt nicht über den Tod nach, sondern über das Sterben, über dieses Dazwischen, in dem Sekunden zu Millilitern werden. Diese Perspektive ist klug gewählt, weil sie die Leser:innen von Beginn an in eine existenzielle Enge zwingt. Keine Ermittlungsromantik, kein Rätselraten im Warmen. Hier tickt die Zeit unerbittlich.
Lis’ Stimme ist scharf, reflektiert, manchmal zynisch, dann wieder erschreckend verletzlich. Ihre Profession als Köchin ist mehr als ein Hintergrunddetail. Das Töten von Hummern, das superpräzise Arbeiten, die Verantwortung für Geschmack und Versorgung bringen Eigenschaften von ihr ins Spiel, die nachfolgend sicher noch spannend werden. Dass ausgerechnet Polonium-210 im von ihr zubereiteten Menü gefunden wird, ist eine bittere Pointe. Die Künstlerin am Herd wird zur mutmaßlichen Täterin. Beifang. Kollateralschaden. Oder doch mehr? Und wieso diese ungewöhnliche Mordmethode??
Besonders spannend finde ich die scheinbar ausweglose Lage: vergiftet, fünf Tage Zeit, isoliert, Besuchsverbot. Vom Krankenbett aus einen Mordfall lösen zu wollen, wirkt zunächst fast absurd. Aber vielleicht schärft gerade diese Begrenzung alles. Jede Information zählt. Sei sie noch so winzig.
Die Brisanz liegt zusätzlich im Milieu der Superreichen. Die Harmans sind keine beliebigen Opfer. Wenn beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Fäden von Macht und Kapital zusammenlaufen, dann geht es um mehr als Gerechtigkeit. Was zählt da das Schicksal einer Köchin? Lis könnte das perfekte Bauernopfer sein: sterbend, mittellos, ohne starke Fürsprecher.
Ich frage mich, ob Lis tatsächlich nur zufällig vergiftet wurde. Hat sie mehr von Machenschaften mitbekommen, als ihr selbst klar war? Und welche Rolle wird Esme spielen? Ihre Wut, ihr Insiderwissen im Krankenhaus, ihre Loyalität zu Lis könnten entscheidend werden. Vielleicht entsteht hier ein ungleiches Ermittlerinnen-Duo, das gegen Zeit, Macht und institutionelle Interessen antritt.
Im Moment ist es vor allem eines: hochspannend. Und emotional riskant. Denn mit jeder Seite rückt der fünfte Tag näher. Ich will soooo gern wissen, wie es weitergeht – und ob Lis wirklich den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen kann!