Thriller mit philosophischen Gedanken

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noiram Avatar

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Schon die ersten Sätze haben mich völlig in den Bann gezogen. Es ist eine extrem beklemmende Vorstellung: Die Protagonistin Lis Castrop, eine Köchin, liegt in einer Klinik und weiß, dass sie nur noch fünf Tage zu leben hat. Sie wurde mit Polonium-210 vergiftet – genau wie die Milliardärsfamilie, für die sie gearbeitet hat. Besonders packend finde ich, wie sie das Sterben beschreibt – nicht als plötzliches Ereignis, sondern als diesen „seltsamen Prozess“, bei dem die Zeit nicht mehr in Sekunden, sondern in Millilitern verrinnt.
​Der Schreibstil ist sehr klar und ungeschönt. Lis ist eine faszinierende Figur; sie wirkt einerseits abgebrüht, weil sie als Köchin das Töten gewohnt ist, andererseits ist sie völlig verzweifelt, weil sie ihre zwölfjährige Tochter Cosima allein lassen muss. Die Atmosphäre in der Schweizer Luxusklinik wird fast spürbar, vor allem durch die Interaktionen mit der Krankenschwester Esme, die als einzige ein wenig Menschlichkeit in diese sterile, bedrohliche Umgebung bringt.
​Richtig spannend wurde es für mich, als die Polizei auftaucht. Dass Lis nicht nur als Opfer, sondern plötzlich als Hauptverdächtige gilt, gibt der Geschichte einen tollen Twist. Man spürt richtig ihren Kampfgeist, als sie beschließt, trotz ihres Zustands eine „Problemlöserin“ zu bleiben, um ihre Unschuld zu beweisen und die letzte Zeit mit ihrer Tochter zu erkämpfen. Ein Thriller, der philosophische Gedanken über das Leben mit einer tickenden Zeitbombe verbindet – ich würde am liebsten sofort weiterlesen.