Die Zeit läuft…

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lesenmithirn Avatar

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Als Lis Castrop auf der Palliativstation eines Davoser Nobelkrankenhauses erwacht, ist nichts mehr, wie es einmal war.
Die Milliardärsfamile, bei der sie als Spitzenköchin angestellt ist, ist tot- mit Polonium 210 vergiftet, das sich in dem Sylvestermenü befand, das sie selber zubereitet und serviert hatte. Sie selber muss eine geringere Dosis des Giftes abbekommen haben- noch lebt sie, aber nicht mehr lange: die Ärzte geben ihr höchstens noch fünf Tage.
Fünf Tage, in denen sie als Opfer, Zeugin und selber Verdächtige versucht, im Rückblick auf verschiedene Situationen ihres Lebens als Köchin und alleinerziehende Mutter die Zusammenhänge, die zu diesem Giftanschlag führten zu entwirren. Was ist sie nun: zufälliges Opfer oder doch selber Täterin? Woran kann sie sich erinnern?
Die Zeit läuft ihr davon, ihre sich ständig verschlechternde körperliche Verfassung erschafft einen kaum auszuhaltenden Druck. Wie kann sie, die Sterbende, für ihre 12-jährige Tochter vorsorgen? Wer ist noch vertrauenswürdig, wer gefährlich? Gut, dass Lis eine kluge, mitfühlende Krankenschwester zur Seite steht, die im Notfall auch einmal aktiv werden kann.
Eine ungewöhnliche Grundidee: eine Sterbende ermittelt vom Hospizbett aus. Emotional und tiefgründig, setzt die Geschichte den Leser selber unter Zeitdruck, indem nicht Kapitelüberschriften, sondern die Uhrzeitanzeigen die ablaufende Zeit zeigen und immer größere Spannung aufbauen.
Das Buchcover und der Titel geben die Stimmung sehr gut wieder: nichts für Freunde und Freundinnen des cosy crime, sondern eine nach allen Regeln der Kunst aufgebaute, auch sprachlich gute Story inklusive ungewöhnlichem Schluss, die einen daran erinnert, dass das Leben am Ende doch plötzlich sehr schnell sehr kurz und immer kürzer werden kann…und die einen allem Anschein zum Trotz hoffen lässt, dass die Ärzte irrten und Lis womöglich doch noch davonkommt.