Die Zeit läuft unaufhaltsam ab

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Für die Spitzenköchin Liz Castrop ist nur das Beste gut genug. Nach einem Vorfall im Restaurant des Sternekoches Quirin nimmt sie die Schuld auf sich, wird jedoch sofort von der superreichen Familie Harman engagiert. Dort ist sie so viel mehr als nur die exzellente Köchin, sie ist Ideengeberin für jeden einzelnen. Ihr Silvestermenü jedoch überleben die Harmans nicht und auch für Liz ist die Zeit sehr begrenzt, die Ärzte geben ihr fünf Tage. Im Essen wurde Gift gefunden, Liz wird beschuldigt - was sie anspornt, den wahren Giftmischer zu finden. Der Countdown läuft.

Ab Tag eins um 04:38 Uhr verfolge ich Liz Gedanken und auch das Treiben um sie herum. „Wie alt ist sie? Fünfundvierzig. Das ist bitter.“ Im Krankenwagen nimmt sie diesen kurzen Dialog zwischen einem blonden Mann und einer weniger blonden Frau wahr. Diese wähnen sie bewusstlos, sie lässt sie in dem Glauben und auch weiß sie nun, dass sie bestenfalls noch fünf Tage zu leben hat. In der Privatklinik stellt sich ihr Esmeralda, kurz Esme genannt, als ihre persönliche Krankenschwester vor. Draußen warten schon Cosima, Liz Tochter und ihr Ex-Mann. Ihre Gedanken – sind es die letzten? – sind dem Sterben gewidmet. Nicht dem eigenen Sterben, aber doch…

Helena Falke hat für diesen Thriller eine nicht alltägliche Handlungsstruktur gewählt, was mich sofort angesprochen hat. Ein Opfer sucht seinen Mörder – ein gar absurdes Unterfangen, zumal sie in diesem Krankenzimmer bleiben muss, da ihre körperliche Verfassung logischerweise nachlässt. Was wird aus ihrer Tochter? Sie will sie in guten Händen wissen. Sie denkt zurück, denkt an Quirin und sein Sternelokal und an jeden einzelnen der Milliardärsfamilie Harman. Sie reist mit ihnen und selbstredend kommt auch das familieneigenen Flugzeug zum Einsatz. Sie wird hofiert, sie wird gedemütigt, sie hat ihre Launen auszuhalten.

Von Tag eins bis zum fünften Tag zählt Liz die ihr noch verbleibenden Stunden und Minuten herunter. Je mehr ich von Liz und ihrem Leben erfahre, desto mehr wird mir klar, dass sie eine starke Persönlichkeit ist. Sie ist intelligent und zielstrebig, sie lässt sich in ihrem Vorhaben, den wahren Täter zu finden, nicht beirren und – sie hat in Esme eine loyale Verbündete an ihrer Seite, die sie nach Kräften unterstützt.

Trotzdem man weiß, dass das Ende naht, hat die Story nichts Schwermütiges an sich. Es bleibt auch keine Zeit dafür, denn Liz Anliegen erfordert ihre ganze Stärke, die sie noch aufbringen kann. Indem sie zurückblickt auf die einzelnen Stationen, erkennt sie schlussendlich, wer denn für ihre Situation verantwortlich ist. Nicht nur diese Person, auch alle hier Agierenden sind treffend charakterisiert. Es ist ein mitunter schmerzhafter Blick auf das Leben der Reichen und Schönen und der Erfolgreichen, die sich ohne schlechtes Gewissen das nehmen, was ihnen vermeintlich zusteht.

„Noch fünf Tage“ wartet mit einer ungewöhnlichen Handlung auf, die spannend und durchweg unterhaltsam ist und einem Schluss, den man so dann doch nicht vorhersehen kann.