Ein Wettlauf gegen die Zeit
Lis Castrop ist eine Spitzenköchin und sorgt als Privatköchin für das leibliche Wohl der schwerreichen Familie Harman. Doch beim Silvesterdinner geht etwas schief: Die Harmans sterben durch Gift im Essen. Auch Lis hat etwas davon abbekommen. Ihr Tod ist unausweichlich, doch es bleiben ihr geschätzt noch fünf Tage, um ihre Angelegenheiten zu regeln, vor allem die Zukunft ihrer zwölfjährigen Tochter Cosima, die Lis unmöglich dem alkoholkranken leiblichen Vater überlassen kann. Da Lis selbst unter Mordverdacht steht, sieht sie sich gezwungen, den wahren Mörder selbst zu ermitteln. Gar nicht so einfach, wenn man ans Krankenhausbett gefesselt ist und jeden Tag mehr abbaut. Doch Lis bekommt Hilfe von der Krankenschwester Esme …
Die Erzählung aus Lis’ Perspektive sorgt dafür, dass man sich gut mit ihr identifizieren kann. In der ihr verbleibenden Zeit erinnert sich Lis an Episoden aus ihrer Vergangenheit und der der Harmans, ruft sich Gespräche in Erinnerung, die irgendeinen Bezug zu dem Mord haben könnten. So lernen wir eine Menge Freunde und Feinde kennen, von denen etliche ein Mordmotiv haben könnten. Allerdings wirkt die Geschichte dadurch ein wenig zerhackt, da Lis sich mal an dies und mal an das erinnert.
Dadurch, dass sich die gesamte Handlung über fünf Tage nur in einem einzigen Krankenhauszimmer abspielt, hatte ich unterschwellig das Gefühl, dass nicht allzu viel passiert. Es sind allein Lis’ Erinnerungen, die die Handlung vorantreiben, aber kaum wirkliche Aktionen. Vor allem hat mich Lis’ Sorge um ihre Tochter berührt. Diese ist sehr authentisch dargestellt und sehr gut nachvollziehbar.
Eine gute Idee der Autorin ist das Voranstellen der jeweils aktuellen Uhrzeit bei jedem neuen Kapitel und die sehr häufige Erwähnung der noch verbleibenden Stunden bis zu Lis’ erwartetem Ende. So erlebt man als Lesende den Wettlauf gegen die Zeit hautnah mit, was für ein bisschen Spannung sorgt.