Reich, schön, tot

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Dieses Buch war für mich eine Überraschung. Beworben mit den Schlagworten Krimi, Thriller, Mystery hatte ich zu Beginn eine recht klare Vorstellung und lag damit ziemlich daneben. Ja, es geht um den Mord an mehreren Menschen. Und ja, die einzige Überlebende versucht herauszufinden, wie es zu der Tat kommen konnte. Aber abgesehen davon deckt sich kaum etwas mit dem, was ich erwartet hatte.

Lis ist Spitzenköchin und arbeitet seit einigen Jahren für die schwerreiche Familie Harman. Bei einem Anschlag mit dem radioaktiven Gift Polonium werden das Ehepaar Harman und seine Kinder getötet. Lis – ebenfalls kontaminiert – überlebt zwar, hat jedoch nur noch wenige Tage zu leben. Diese Zeit will sie nutzen, um den Fall aufzuklären.

Wer auch immer sich hinter dem Pseudonym Helena Falke verbirgt (laut Verlag handelt es sich um eine mehrfach ausgezeichnete deutschsprachige Autorin), sie schreibt mit Tiefe und einer ausgeprägten Beobachtungsgabe, die der Handlung sehr zugutekommt. Der Protagonistin Lis nimmt man die Sterneköchin unmittelbar ab. Hier wurde offensichtlich gründlich recherchiert, und die Autorin glänzt mit fundiertem Wissen über Lebensmittel, Zubereitungsarten und kulinarische Trends.

Relativ bald entfernt sich die Geschichte vom klassischen Thriller und entwickelt sich zu einer Art Milieustudie mit satirischen Zügen, in der das Machtstreben, die Eitelkeiten und Obsessionen der Reichen und Schönen seziert und zugespitzt werden. Lis ist dabei zugleich Teil dieses Mikrokosmos und seine Außenseiterin; stellenweise fragt man sich, ob sie nicht mehr weiß, als sie den Leserinnen und Lesern preisgibt. So oder so - fünf Tage bleiben Lis für ihre “Ermittlungen”, analog zu den fünf Akten eines Dramas. Denn ein Happy End ist nicht in Sicht.

Bei der Auflösung hakt es dann allerdings deutlich. Aus meiner Sicht tun sich mehrere logische Brüche auf. Die bis dahin fast kammerspielartig erzählte Geschichte, die sich in Rückblicken entfaltet, kippt schließlich in einen eher stereotypen Kaninchen‑beziehungsweise‑Mörder‑aus‑dem‑Hut-Moment inklusive Schurkengeständnis. Die Grundidee ist nicht schlecht, wirkt in der Umsetzung jedoch wenig glaubwürdig. Trotz dieser Schwächen würde ich ein weiteres Buch der Autorin lesen. Neugierig macht mich nicht zuletzt auch die Frage, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt.