Spannender Plot mit verschenktem Potenzial

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leeloo Avatar

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Ein Countdown von 5 Tagen, Geheimnisse und die psychologische Dynamik innerhalb einer (Gesellschafts-)Gruppe. Eigentlich sind dies Zutaten, die ein fesselnder Thriller benötigt. Die Autorin schafft es zu Beginn auch, Spannung aufzubauen und Interesse am Ausgang der Geschichte zu wecken.

Besonders hervorzuheben sind die Schilderungen der Eigenheiten der einzelnen Familienmitglieder. Helena Falke versteht es, die Fassaden der Figuren bröckeln zu lassen und dem Leser interessante Einblicke in deren Psyche zu liefern. Darin liegt definitiv die Stärke des Buches: Die Spannung wird durch die zwischenmenschlichen Disharmonien und die individuellen Hintergrundgeschichten fortlaufend vorangetrieben.

Allerdings hatte ich ein großes Problem: Ich konnte zu keiner der Figuren eine echte Bindung aufbauen. Besonders die Hauptfigur blieb mir bis zum Schluss fremd und war mir, entgegen meiner ursprünglichen Erwartung, sogar eher unsympathisch.

Mein größter Kritikpunkt ist jedoch die Auflösung. Nachdem über das gesamte Buch hinweg Spannung aufgebaut wurde, fühlte sich das Finale für mich leider enttäuschend und unspektakulär an. Die Erwartungen, die durch die einzelnen Handlungsstränge geweckt wurden, konnten für mich nicht erfüllt werden. Die Spannung fiel am Ende regelrecht in sich zusammen.

Fazit:
Ein Buch mit einem starken Ansatz und interessanten Charakterstudien, das mich aber aufgrund einer schwachen Auflösung und unsympathischer Protagonisten nicht vollends überzeugen konnte. Wer psychologische Dramen mag und weniger Wert auf einen fulminanten Thriller-Showdown legt, könnte dennoch Gefallen daran finden. Für mich blieb es leider hinter seinen Möglichkeiten zurück.