Verbindung aus persönlichem Drama und Gesellschaftskritik

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Lis ist Köchin bei der superreichen Familie Harman. Nach dem gemeinsamen Silvesteressen ist jedoch die gesamte Familie tot – vergiftet. Auch Lis selbst ist mit dem tödlichen Gift in Berührung gekommen. Ihr bleiben nur noch etwa fünf Tage bis zu ihrem Tod. Fünf Tage, um die Zukunft ihrer Tochter zu regeln und um herauszufinden, wer für den Mord verantwortlich ist.

Das Thema des Romans ist von Beginn an äußerst spannend und emotional aufgeladen. Die Autorin schildert eindrucksvoll, mit welchen Gedanken, Ängsten und Entscheidungen sich Lis in den letzten Tagen ihres Lebens auseinandersetzen muss.

Zitat S. 6:
„Als die Wucht dessen, dass ich bald nicht mehr hier sein werde, zu mir durchsickert, ist da nur noch Angst. Nicht die Art von komfortabler Angst, die du hast, wenn du weißt, dass du noch eine Weile am Leben sein wirst, dass du Dinge wiedergutmachen oder es zumindest versuchen kannst. Nein, jegliche Möglichkeit fehlt und das ist der blanke Horror.“

Im Krankenhaus erzählt Lis ihrer Krankenschwester von ihrem Verhältnis zu den einzelnen Mitgliedern der Familie Harman. Dabei entblößt sich nach und nach die typische Machtposition von Reichen, die glauben, sich alles erlauben zu können. Diese Rückblicke sind nicht nur charakterzeichnend, sondern auch gesellschaftskritisch und zeigen, wie Abhängigkeit, Demütigung und Schweigen Teil des Alltags von Dienstpersonal werden können.

Gleichzeitig verfolgt Lis ein klares Ziel: Sie muss den Fokus auf jemand anderen legen, um weiterhin ihre Tochter sehen zu dürfen. Verdächtige mit einem möglichen Motiv gibt es einige, was die Spannung kontinuierlich aufrechterhält. Die letztliche Auflösung ist erschreckend und unerwartet.

Kritisch anzumerken ist jedoch der Mittelteil des Buches. Die ausführlichen Schilderungen der Dienste, die Lis den Harmans geleistet hat, ziehen sich stellenweise unnötig in die Länge. Die Detailtiefe ist teilweise so dominant, dass sie den Lesefluss hemmt und die emotionale Intensität abschwächt. Hier hätte eine stärkere Straffung der Handlung dem Roman durchaus gutgetan.

Das Ende hingegen überzeugt wieder deutlich. Es überrascht, wirkt authentisch und schließt die Geschichte emotional stimmig ab.

Fazit: Der Roman punktet mit einem starken Grundthema, einer glaubwürdigen Protagonistin und einer gelungenen Verbindung aus persönlichem Drama und Gesellschaftskritik. Trotz eines etwas zähen Mittelteils bleibt die Geschichte bis zum Schluss interessant und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.