Wettlauf gegen die Zeit

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jens1991 Avatar

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Lis Castrop ist eine gefeierte Weltklasseköchin, die sich nach Jahren in der Londoner Spitzengastronomie auf ein exklusives Engagement bei einer milliardenschweren Familie in Davos einlässt. Doch was als beruflicher Aufstieg beginnt, endet in einer Katastrophe: Beim opulenten Silvesterdinner sterben die Mitglieder der Familie Harman an einem Giftanschlag – zubereitet wurde das tödliche Menü ausgerechnet von Lis selbst. Sie überlebt als einzige Zeugin, ist jedoch ebenfalls vergiftet. Mit nur noch fünf verbleibenden Tagen beginnt für sie ein Wettlauf gegen die Zeit. Vom Krankenbett einer Luxusklinik aus versucht sie nicht nur, die Hintergründe des Anschlags aufzudecken, sondern auch, ihre Tochter ein letztes Mal abzusichern und herauszufinden, ob sie wirklich nur ein Zufallsopfer ist.

Mit „Noch fünf Tage“ entwirft die Autorin Helena Falke einen Thriller, der weniger auf rasante Action als auf eine dichte, zunehmend beklemmende Atmosphäre setzt. Die Handlung folgt einem klaren Countdown-Prinzip, das der Geschichte eine konstante Grundspannung verleiht, während sich die Wahrheit Stück für Stück entfaltet. Eingebettet in ein Setting aus Reichtum, Macht und gesellschaftlichen Abhängigkeiten, greift der Roman Themen wie moralische Verantwortung, Loyalität und die Abgründe einer privilegierten Welt auf. Die Perspektive bleibt eng an der Protagonistin, deren körperlicher Verfall und psychische Anspannung eindringlich geschildert werden. Lis erscheint dabei als ambivalente Figur: einerseits entschlossen und kämpferisch, andererseits nicht immer zugänglich, stellenweise sogar distanziert in ihren Entscheidungen und Gedanken. Der Erzählstil ist bewusst ausführlich gehalten und arbeitet stark mit Rückblenden und inneren Monologen, was die Figurenzeichnung vertieft, jedoch gelegentlich das Tempo der Ermittlungen ausbremst. Die Auflösung bietet zwar einige überraschende Ansätze, wirkt in ihrer Ausführung jedoch etwas gerafft.