Süß, aber vorhersehbar

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Das Cover von „Nuno Nasenbär – Wenn nur nicht diese Nase wär’!“ hat mich direkt angesprochen. Nuno mit seiner auffällig langen Nase wirkt sympathisch und ein bisschen verschmitzt, und auch die restliche Gestaltung des Buches ist sehr liebevoll. Die Illustrationen von Friederike Ablang sind bunt, lebendig und teilweise richtig witzig. Besonders die Mischung aus klassischen Bilderbuchseiten und Comic-Elementen hat mir gefallen, auch wenn das Vorlesen dadurch an manchen Stellen etwas unruhiger wird, weil man erst schauen muss, in welcher Reihenfolge Text und Sprechblasen gelesen werden.

In der Geschichte geht es um Nuno, der mit seiner langen Nase eigentlich ganz gut zurechtkommt. Nach einigen unangenehmen Situationen beginnt er allerdings, genau diese Nase immer kritischer zu sehen. Viel mehr möchte ich zur Handlung gar nicht sagen, weil die Geschichte von ihrer Entwicklung lebt.

Das Thema Selbstakzeptanz ist für ein Kinderbuch natürlich nicht neu, aber ich finde, dass es hier kindgerecht und ohne großen moralischen Zeigefinger umgesetzt wird. Besonders gut gefällt mir, dass Nunos Unsicherheit nachvollziehbar dargestellt wird. Kinder kennen vermutlich selbst das Gefühl, dass sie sich an etwas stören, was für andere überhaupt kein Problem ist. Genau diesen Gedanken greift das Buch schön auf.

Nuno ist als Hauptfigur sehr sympathisch. Er darf frustriert sein, zweifeln und sich auch einmal ziemlich auf seine vermeintliche Schwäche versteifen. Dadurch wirkt er nicht zu glatt. Auch die Freundschaft zu den anderen Figuren spielt eine wichtige Rolle und sorgt dafür, dass die Geschichte insgesamt sehr warmherzig bleibt.

Der Schreibstil von Ingolf Lück ist locker, humorvoll und gut verständlich. Man merkt, dass das Buch in erster Linie unterhalten möchte und seine Botschaft eher nebenbei vermittelt. An manchen Stellen hätte ich mir allerdings etwas mehr Tiefe gewünscht. Gerade Nunos Gedanken und seine Veränderung gehen für mein Empfinden teilweise recht schnell. Für jüngere Kinder funktioniert das vermutlich sehr gut, als Erwachsene fand ich die Auflösung stellenweise etwas vorhersehbar.

Sehr gelungen finde ich dagegen das Zusammenspiel von Text und Bildern. In den Illustrationen gibt es viele kleine Details zu entdecken, sodass man beim zweiten oder dritten Anschauen sicherlich noch Neues findet. Das macht das Buch auch über die eigentliche Geschichte hinaus interessant.

Für mich ist „Nuno Nasenbär“ insgesamt ein schönes, humorvolles Bilderbuch mit einer wichtigen und positiven Botschaft. Ganz besonders ist die Geschichte für mich nicht, da das Thema Selbstakzeptanz schon in vielen Kinderbüchern aufgegriffen wird. Die sympathische Hauptfigur, der Humor und die liebevollen Illustrationen geben dem Buch aber trotzdem einen eigenen Charme.

Mein Fazit: Ein unterhaltsames und warmherziges Bilderbuch für Kinder im Kindergartenalter, das sich gut zum gemeinsamen Vorlesen eignet. Besonders empfehlen würde ich es Familien, die mit Kindern über Selbstzweifel, Anderssein und Freundschaft ins Gespräch kommen möchten. Für mich kein absolutes Highlight, aber ein rundes und schön gestaltetes Kinderbuch, das ich gerne weiterempfehlen würde.