Rundum feinsinnig

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webervogel Avatar

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Dieses Bilderbuch ist anders als die meisten anderen. Zuerst sticht die künstlerische Farbwahl ins Auge: Auf dem Cover wie im Buch ist alles orange, pfirsichfarben (oder ist es beige?) bzw. grau und schwarz. Eine Figur ist in einem völlig anderen Stil gezeichnet als die anderen und die Tatze des Tieres, wegen dem zur „Obacht“ aufgerufen wird, wirkt riesig. Ich war gespannt, ob meine Kindergartenkinder das Buch nicht abschreckend oder zumindest wenig ansprechend finden würden. Aber mitnichten: Es fasziniert sie. Die drolligen Namen tragen sicher ihren Teil dazu bei: Anfangs werden die Figuren Wimpf, Wompf, Timpe-Ma, Timpe-Pa und das Mienchen vorgestellt. Sie sind die Stadtbewohner, von denen auch Wortmeldungen kommen, und die ersten, die das große Tier entdecken, das den Zugang zu ihrer Stadt erschwert. Schnell werden Strategien entwickelt, um mit dem Problem umzugehen, allen voran von Timpe-Pa. Zunächst wird das Tier verhüllt, dann eine Brücke darüber gebaut und schließlich wird sogar eine Umgehungsstraße geschaffen – doch alle Projekte scheitern. Bis das kleine Mienchen das direkte Gespräch sucht. Und siehe da: Durch ehrliches Interesse, Kommunikation und Hilfsbereitschaft lässt sich eine nachhaltige Lösung finden.

Dass das Fremde, Störende, gar nicht mehr so furchteinflößend ist, wenn man darauf zugeht, ist die spielerisch vermittelte Botschaft von „Obacht!“. Und das kleine Mienchen hat eine bessere Idee als der tonangebende Timpe-Pa (offensichtlich ein Erwachsener) mit seinem wilden Aktionismus – ein feiner Zusatz. Überhaupt ist dieses Buch rundum feinsinnig; sowohl die Illustrationen als auch der Text wirken kunstvoll. Mal ein ganz anderes Bilderbuch – vermutlich finden meine Kinder gerade das so interessant.