Aufstieg und Fall eines Fleischers
Die meisten Menschen wählen einen Beruf, manche aber folgen einer Berufung. Der Metzger Rensing gehört zur zweiten Sorte. Ein Buch über die Leidenschaft eines Metzgers zu seinem Beruf kling skurril. Kann daraus eine lesenswerte Geschichte entstehen? Nachdem ich die gerade einmal etwas mehr als 170 Seiten verschlungen habe, kann ich diese Frage mit einem uneingeschränkten JA! beantworten.
Allein schon das Cover hat einen Preis verdient: Der Schutzumschlag des gebundenen Buches zeigt ... einen Ochsenkopf. Das ist auch der hervorragend gewählte Titel der Erzählung. Im niederländischen Original Ossenkop wird damit nicht nur ein tatsächliche Kopf eines Ochsen mit zwei Hörnern bezeichnet, sondern auch ein sturer Mensch, ein grober Klotz. Jemand, der mit dem Kopf durch die Wand geht. Auf den ersten Blick scheint dies den Metzgersohn Rensing sehr gut zu beschreiben. Kein Mensch, der Sympathien erweckt. Ein Eigenbrötler, jemand ohne Gespür für seine Mitmenschen, der schon von Kindesbeinen an nur die eine Leidenschaft hatte: den Beruf des Metzgers (niederländisch: slager) auszuüben. In heutigen Zeiten, in denen eine vegane Lebensweise en vogue ist, erscheint das skurril. Passenderweise hat Manik Sarkar seinen Roman aber zu weiten Teilen in das 20. Jahrhundert zurückversetzt. Und oft genug habe ich mich in die Fleischereien meiner Kindheit zurückversetzt gefühlt. Das Thema ist jedenfalls hervorragend umgesetzt.
Aus heutiger Sicht fallen die autistischen Züge des Hauptprotagonisten auf. Rensing wirkt deshalb auf mich unglaublich authentisch, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Was mich aber für ihn einnimmt, ist seine unbedingte Leidenschaft für gutes Fleisch, gesunde Rinder, eine artgerechte Haltung und eine Form der Schlachtung auf Augenhöhe. Es bleibt nicht aus, dass der Roman sich sehr intensiv und sozialkritisch mit der Fleischindustrie auseindersetzt. Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung finden sich zum Teil verstörende Szenen. Sarkar schaut genau hin und beschreibt schonungslos, was passiert, bevor ein Stück Fleisch auf unserem Teller landet. Das ist nicht immer leicht zu verkraften.
Zugleich bleibt sein Blick aber immer auch auf den Menschen gerichtet, den Idealisten, seine Leidenschaft, seine Verzweiflung. Und dennoch bleibt der Schreibstil sachlich, beschreibend, trocken. Ich konnte diesen Debutroman aus den Niederlanden nicht aus der Hand legen, und werde mir so schnell wie möglich das niederländische Original besorgen. "Ochsenkopf" ist für mich ein Lesehighlight des Jahres und vergebe voller Überzeugung 5 Sterne ⭐⭐⭐⭐⭐. Um in der Thematik zu bleiben: diese Buch schmeckt nach mehr!!
Allein schon das Cover hat einen Preis verdient: Der Schutzumschlag des gebundenen Buches zeigt ... einen Ochsenkopf. Das ist auch der hervorragend gewählte Titel der Erzählung. Im niederländischen Original Ossenkop wird damit nicht nur ein tatsächliche Kopf eines Ochsen mit zwei Hörnern bezeichnet, sondern auch ein sturer Mensch, ein grober Klotz. Jemand, der mit dem Kopf durch die Wand geht. Auf den ersten Blick scheint dies den Metzgersohn Rensing sehr gut zu beschreiben. Kein Mensch, der Sympathien erweckt. Ein Eigenbrötler, jemand ohne Gespür für seine Mitmenschen, der schon von Kindesbeinen an nur die eine Leidenschaft hatte: den Beruf des Metzgers (niederländisch: slager) auszuüben. In heutigen Zeiten, in denen eine vegane Lebensweise en vogue ist, erscheint das skurril. Passenderweise hat Manik Sarkar seinen Roman aber zu weiten Teilen in das 20. Jahrhundert zurückversetzt. Und oft genug habe ich mich in die Fleischereien meiner Kindheit zurückversetzt gefühlt. Das Thema ist jedenfalls hervorragend umgesetzt.
Aus heutiger Sicht fallen die autistischen Züge des Hauptprotagonisten auf. Rensing wirkt deshalb auf mich unglaublich authentisch, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Was mich aber für ihn einnimmt, ist seine unbedingte Leidenschaft für gutes Fleisch, gesunde Rinder, eine artgerechte Haltung und eine Form der Schlachtung auf Augenhöhe. Es bleibt nicht aus, dass der Roman sich sehr intensiv und sozialkritisch mit der Fleischindustrie auseindersetzt. Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung finden sich zum Teil verstörende Szenen. Sarkar schaut genau hin und beschreibt schonungslos, was passiert, bevor ein Stück Fleisch auf unserem Teller landet. Das ist nicht immer leicht zu verkraften.
Zugleich bleibt sein Blick aber immer auch auf den Menschen gerichtet, den Idealisten, seine Leidenschaft, seine Verzweiflung. Und dennoch bleibt der Schreibstil sachlich, beschreibend, trocken. Ich konnte diesen Debutroman aus den Niederlanden nicht aus der Hand legen, und werde mir so schnell wie möglich das niederländische Original besorgen. "Ochsenkopf" ist für mich ein Lesehighlight des Jahres und vergebe voller Überzeugung 5 Sterne ⭐⭐⭐⭐⭐. Um in der Thematik zu bleiben: diese Buch schmeckt nach mehr!!