Außergewöhnlich!
Ochsenkopf von Manik Sarkar, übersetzt von Ruth Löbner, ist ein kurzer Roman, der durch bildgewaltige Sprache und einen kompromisslosen Protagonisten überzeugt.
Der Metzgerssohn Rensing übernimmt nach bestandener Fleischerausbildung den Betrieb des Vaters. Schon seit er klein war hatte er ein ausgeprägtes Gespür für besonders gutes Fleisch und hat zudem die handwerklichen Fähigkeiten erlernt, die Tiere zu qualitativ hochwertigen Waren zu verarbeiten. Dass dies jedoch nicht für alle seine Kunden den gleichen Stellenwert hat, will er nicht begreifen, und so beginnt der Kampf um den wirtschaftlichen Erhalt der Metzgerei.
Sarkar schreibt über einen Mann zwischen Leidenschaft und Verbissenheit, zwischen Sturheit und Desinteresse, ja: zwischen Genie und Wahnsinn. Der Protagonist hat Werte und Prinzipien, die er um keinen Preis aufgeben möchte. Zunächst ist man beim Lesen auch bei ihm: artgerechte Tierhaltung, qualitativ hochwertiges Fleisch, der Kampf gegen minderwertige Supermarktware – wer möchte das nicht? Doch zunehmend gerät Rensings Kompass aus dem Lot und er verrät nicht nur die Beweggründe hinter seinen Prinzipien, sondern letztendlich auch die Prinzipien selbst.
Das Buch hat beim Lesen eine regelrechte Sogwirkung entwickelt. Das lag zum einen an der Geschichte selbst und dem Pacing (es gab keine Längen und keine Episode wurde unnötig erzählt – großes Lob an Autor und Lektorat!). Zum anderen hat hier auch die Sprache beigetragen. Auch wenn ich nicht genau nachvollziehen kann, wie das zusammenpasst, ist sie gleichzeitig bildgewaltig und schnörkellos, und transportiert dadurch eindrucksvoll die Obsession des Protagonisten. Auch die detaillierten, fast schon klinischen Beschreibungen des Schlachtens und Zerlegens der Tiere funktionieren innerhalb des Romans. Sie sind dabei keineswegs Effekthascherei, sondern vermitteln wirkmächtig die Realität des Fleischkonsums aus der Sicht des Protagonisten.
Spannend fand ich die menschlichen Interaktionen grundsätzlich und vor allem auch die Nebenfigur Jans: eine von allen gemiedene, verwahrloste Frau, die die einzige Person ist, der Rensing Empathie entgegenbringt. Ansonsten scheint er den Tieren mehr Respekt und Wohlwollen zu zollen als seinen Mitmenschen.
An manchen Stellen hatte das Buch mir etwas zu viel Erzählerkommentar, da hätte ich mir gewünscht, dass mir zugetraut wird, eigene Schlüsse zu ziehen. Und die zeitliche Struktur fand ich nicht immer schlüssig (vor allem als die Bankangestellte meint, sie sei die Tochter seines Schulfreundes – das hat sich für mich nicht stimmig angefühlt).
Insgesamt aber ein Buch, das mich positiv überrascht hat und definitiv zum Nachdenken anregt – nicht nur über Fleischkonsum an sich, sondern auch über die Gesellschaft und den Mensch als Tier. Leseempfehlung!
Der Metzgerssohn Rensing übernimmt nach bestandener Fleischerausbildung den Betrieb des Vaters. Schon seit er klein war hatte er ein ausgeprägtes Gespür für besonders gutes Fleisch und hat zudem die handwerklichen Fähigkeiten erlernt, die Tiere zu qualitativ hochwertigen Waren zu verarbeiten. Dass dies jedoch nicht für alle seine Kunden den gleichen Stellenwert hat, will er nicht begreifen, und so beginnt der Kampf um den wirtschaftlichen Erhalt der Metzgerei.
Sarkar schreibt über einen Mann zwischen Leidenschaft und Verbissenheit, zwischen Sturheit und Desinteresse, ja: zwischen Genie und Wahnsinn. Der Protagonist hat Werte und Prinzipien, die er um keinen Preis aufgeben möchte. Zunächst ist man beim Lesen auch bei ihm: artgerechte Tierhaltung, qualitativ hochwertiges Fleisch, der Kampf gegen minderwertige Supermarktware – wer möchte das nicht? Doch zunehmend gerät Rensings Kompass aus dem Lot und er verrät nicht nur die Beweggründe hinter seinen Prinzipien, sondern letztendlich auch die Prinzipien selbst.
Das Buch hat beim Lesen eine regelrechte Sogwirkung entwickelt. Das lag zum einen an der Geschichte selbst und dem Pacing (es gab keine Längen und keine Episode wurde unnötig erzählt – großes Lob an Autor und Lektorat!). Zum anderen hat hier auch die Sprache beigetragen. Auch wenn ich nicht genau nachvollziehen kann, wie das zusammenpasst, ist sie gleichzeitig bildgewaltig und schnörkellos, und transportiert dadurch eindrucksvoll die Obsession des Protagonisten. Auch die detaillierten, fast schon klinischen Beschreibungen des Schlachtens und Zerlegens der Tiere funktionieren innerhalb des Romans. Sie sind dabei keineswegs Effekthascherei, sondern vermitteln wirkmächtig die Realität des Fleischkonsums aus der Sicht des Protagonisten.
Spannend fand ich die menschlichen Interaktionen grundsätzlich und vor allem auch die Nebenfigur Jans: eine von allen gemiedene, verwahrloste Frau, die die einzige Person ist, der Rensing Empathie entgegenbringt. Ansonsten scheint er den Tieren mehr Respekt und Wohlwollen zu zollen als seinen Mitmenschen.
An manchen Stellen hatte das Buch mir etwas zu viel Erzählerkommentar, da hätte ich mir gewünscht, dass mir zugetraut wird, eigene Schlüsse zu ziehen. Und die zeitliche Struktur fand ich nicht immer schlüssig (vor allem als die Bankangestellte meint, sie sei die Tochter seines Schulfreundes – das hat sich für mich nicht stimmig angefühlt).
Insgesamt aber ein Buch, das mich positiv überrascht hat und definitiv zum Nachdenken anregt – nicht nur über Fleischkonsum an sich, sondern auch über die Gesellschaft und den Mensch als Tier. Leseempfehlung!