Die Fleischideologie
Das Buchcover - ein lebender Ochse, schön und zum Schlachten bestimmt. Manik Sarkar taucht tief ein in die Welt der Fleischindustrie und lässt seinen Protagonisten letztendlich an seinen eigenen Idealen scheitern. Rensing wächst als Kind in der elterlichen Dorfmetzgerei. Fleisch und das Schlachten sind von klein auf seine Welt und er will es besonders gut machen. Er erlernt das Metzgerhandwerk und übernimmt den Betrieb. Während er immer mehr dem Ideal zustrebt, dem perfekten Fleisch, verändert sich die Realität um ihn. Die Dorfgemeinschaft würdigt nicht seine Produkte und geht lieber in den billigeren Supermarkt. Rensing kann und will sich nicht dieser neuen Realität unterwerfen und seine Ideale "billig verkaufen". Klasse statt Masse, Tierwohl statt Industrie - ein hoffnungsloser Einzelkämpfer ist Rensing, der Metzger aus Überzeugung und beim Verbiegen verliert er sich. Der Roman hat sowohl Satire, als auch die gnadenlose Herausforderung, sich als Fleischkonsument der Herkunft und der Schlachtung von Tieren zu stellen. Dabei schneidet Rensing als Tier(fleisch)kenner gegenüber der automatisierten Tierverarbeitung noch als menschlich, also mit Emotionen ab. Manik Sarkar fordert uns schonungslos heraus und er macht dies nicht anklagend, den es reicht hier schlichte Beschreibung, um mich zur Stellungnahme zu zwingen. Rensing als Metzger ist nicht böse, er ist von seinem Handwerk und dem Ideal überzeugt, ist ein guter Fleischkenner, aber kein Menschenkenner. Die Sprache des Romans ist nüchtern, beschreibend und beobachtet unmittelbar und präzise. Der Roman ist verstörend und dadurch nachhallend und sehr gut.