Ein eigenwilliger Roman mit rauem Nachhall

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Das Cover von Ochsenkopf ist kein gefälliger Blickfang, sondern eher eine Ansage. Der dunkle Hintergrund, die rote Schrift und der frontal gesetzte Tierkopf wirken streng, beinahe störrisch. Genau dadurch hat die Gestaltung für mich sehr gut funktioniert: Sie bereitet auf einen Roman vor, der nicht beschönigt und sich nicht darum bemüht, angenehm zu sein.
Manik Sarkar erzählt von Rensing junior, der in einer Metzgerei aufwächst und dort früh eine besondere Sicherheit im Umgang mit Tieren, Fleisch und Werkzeug entwickelt. Viel mehr möchte ich inhaltlich gar nicht vorwegnehmen. Entscheidend ist weniger, was geschieht, sondern wie konsequent dieser Mensch in seiner eigenen Ordnung lebt. Rensing betrachtet die Welt nicht über Gefühle oder Gespräche, sondern über Abläufe, Gerüche, Schnitte und Material. Das fand ich ungewöhnlich und stellenweise irritierend, aber gerade deshalb interessant.
Der Schreibstil ist ruhig, genau beobachtend und trocken im Ton. Manche Passagen sind körperlich und deutlich, ohne für mich sensationsheischend zu wirken. Vielmehr entsteht eine eigentümliche Mischung aus Befremden, Komik und Beklemmung. Sarkar schreibt mit großer Kontrolle und lässt seinen Protagonisten nicht erklären, sondern zeigt ihn in seinem Denken und Handeln.
Rensing ist keine Figur, die man einfach mögen muss. Aber ich fand ihn glaubwürdig, weil seine Eigenarten nicht künstlich wirken. Seine Verschlossenheit, seine Strenge und sein beinahe stummes Festhalten an seiner Welt machen ihn zu einer Figur, über die man nach dem Lesen weiter nachdenkt.
Interessant war das Buch für mich, weil es ein selten gewähltes Milieu literarisch ernst nimmt und daraus keine bloße Kuriosität macht. Auch die Übersetzung von Ruth Löbner liest sich sehr stimmig und bewahrt den nüchternen, eigenwilligen Ton.
Mein Fazit: Ochsenkopf ist eine besondere Lektüre für Leser*innen, die ungewöhnliche Figurenstudien mögen und bereit sind, sich auf ein raues, manchmal unbequemes Buch einzulassen. Kein Wohlfühlroman, aber einer mit Charakter.