Ein herausragendes Debüt
Der junge Rensing ist Metzger, und dieses Handwerk ist seine Obsession. Mit kundigem Blick und beinahe zarten Berührungen erkennt er am lebenden Tier bereits die Fleischqualität, bei der Schlachtung führt er die Zuschnitte mit chirurgischer Präzision und großer Hingabe aus. Sein handwerkliches Talent ist außergewöhnlich, doch für die Führung eines Betriebes ist er denkbar ungeeignet: Er hat kein Gespür für die Menschen, sein Umgang mit den Kunden ist rüde und betriebswirtschaftliches Denken liegt ihm fern. Er bietet nur das qualitativ beste Fleisch von erlesenen Tieren an, die Preise sind dementsprechenden hoch, zahlungskräftige Kundschaft im Dorf eher rar. Als im Ort ein Supermarkt eröffnet und ihm mit Billigfleisch Konkurrenz macht, nimmt er den Kampf auf.
Dieses Buch ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich, und Rensings tragikomische Figur hat mich sofort fasziniert: Ein überaus fähiger Mann, in seinem Spezialgebiet seinen Mitmenschen haushoch überlegen, der nicht anders kann als seinem Instinkt und seinen Überzeugungen zu folgen, koste es, was es wolle. Er, der Außenseiter, allein gegen den Rest der Welt, auf den er voller Verachtung herabsieht. Stellenweise wurde ich an Patrick Süskinds „Das Parfum“ erinnert und an Kommissar Matthäi aus Friedrich Dürrenmatts „Das Versprechen“.
Der Autor Manik Sarkar greift in „Ochsenkopf“ mehrere Themen auf, die zum Nachdenken anregen: Was wissen wir über die Nahrung auf unseren Tellern? Sind unsere Geschmacksknospen inzwischen so degeneriert, dass wir Qualität, geschweige denn feine Nuancen, nicht mehr erkennen können, sondern uns nur noch vom Preis, aktuellen Hypes und geschicktem Marketing leiten lassen? Wie gehen wir als Gesellschaft mit Menschen um, die – aus welchen Gründen auch immer – am Rand stehen, vermeintlich anders sind, und ihr Potential nicht entfalten können? Die Szenen zwischen Rensing und Jans, einer ehemaligen Mitschülerin aus prekären Verhältnissen, fand ich gleichzeitig makaber und ganz großartig. Für mich ist Rensing aber auch ein mahnendes Beispiel, wohin Engstirnigkeit, Überheblichkeit und übersteigerte Ideale führen können. Und selbst die besten Absichten und Werte lassen sich ohne Empathie und soziales Gespür nicht vermitteln.
„Ochsenkopf“ ist so klar und präzise geschrieben, dass 176 Seiten ausreichen, um eine Geschichte zu erzählen, deren Sog ich mich nicht entziehen konnte: Sie ist berührend, beklemmend, verstörend. Sprachlich verwischen die Grenzen zwischen Mensch und Tier immer mehr, und so bekommt Feuerbachs berühmtes Zitat „Du bist, was du isst“ noch mal eine ganz neue Dimension.
Für mich ist „Ochsenkopf“ ein literarisches Highlight, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Dieses Buch ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich, und Rensings tragikomische Figur hat mich sofort fasziniert: Ein überaus fähiger Mann, in seinem Spezialgebiet seinen Mitmenschen haushoch überlegen, der nicht anders kann als seinem Instinkt und seinen Überzeugungen zu folgen, koste es, was es wolle. Er, der Außenseiter, allein gegen den Rest der Welt, auf den er voller Verachtung herabsieht. Stellenweise wurde ich an Patrick Süskinds „Das Parfum“ erinnert und an Kommissar Matthäi aus Friedrich Dürrenmatts „Das Versprechen“.
Der Autor Manik Sarkar greift in „Ochsenkopf“ mehrere Themen auf, die zum Nachdenken anregen: Was wissen wir über die Nahrung auf unseren Tellern? Sind unsere Geschmacksknospen inzwischen so degeneriert, dass wir Qualität, geschweige denn feine Nuancen, nicht mehr erkennen können, sondern uns nur noch vom Preis, aktuellen Hypes und geschicktem Marketing leiten lassen? Wie gehen wir als Gesellschaft mit Menschen um, die – aus welchen Gründen auch immer – am Rand stehen, vermeintlich anders sind, und ihr Potential nicht entfalten können? Die Szenen zwischen Rensing und Jans, einer ehemaligen Mitschülerin aus prekären Verhältnissen, fand ich gleichzeitig makaber und ganz großartig. Für mich ist Rensing aber auch ein mahnendes Beispiel, wohin Engstirnigkeit, Überheblichkeit und übersteigerte Ideale führen können. Und selbst die besten Absichten und Werte lassen sich ohne Empathie und soziales Gespür nicht vermitteln.
„Ochsenkopf“ ist so klar und präzise geschrieben, dass 176 Seiten ausreichen, um eine Geschichte zu erzählen, deren Sog ich mich nicht entziehen konnte: Sie ist berührend, beklemmend, verstörend. Sprachlich verwischen die Grenzen zwischen Mensch und Tier immer mehr, und so bekommt Feuerbachs berühmtes Zitat „Du bist, was du isst“ noch mal eine ganz neue Dimension.
Für mich ist „Ochsenkopf“ ein literarisches Highlight, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.