Ein Mann auf verlorenem Posten

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In seinem nur 176 Seiten umfassenden Debütroman stellt uns der niederländische Autor Manik Sarkar seinen Protagonisten Rensing vor - und lässt ihn auf ganzer Linie scheitern.

Rensing ist der Sohn eines Metzgers und wird in den 1960ern/70ern in der Familienmetzgerei als Einzelkind groß. Beobachtet seine Mutter am Tresen beim Verkauf und den Vater bei den Schlachtungen. Schnell wird ihm selbst und seinen Eltern klar, dass er eine besondere Affinität gegenüber dem Metzgereihandwerk hat, lässt allerdings alle anderen Bereiche und Fertigkeiten des alltäglichen Lebens verkümmern. Heutzutage würde man es eine Inselbegabung nennen. Rensing ist rigide in seinen Vorstellungen, wie ein gesundes Tier vor der Verarbeitung gelebt haben sollte und was Qualität ausmacht. Im Wandel der Zeit verliert allerdings seine Kundschaft das Interesse und Gefühl für Qualität und sehr gut ausgeführtes Handwerk, was Rensing in seiner Rigidität letztlich in einen Strudel des Scheiterns hinabzieht. Wir verfolgen das gesamte Leben eines Menschen, der für eine Sache brennt und letztlich ausbrennt.

Sprachlich beherrscht Manik Sarkar sein Metier. Punktgenau mit keinem Satz zu viel erzählt er diese tragische Lebensgeschichte. Er schreibt so gut, dass die Dickköpfigkeit von Rensing fast körperlich schmerzt beim Lesen. Und gleichzeitig verdeutlicht Sarkar wie im letzten Jahrhundert eine Industrialisierung der Tierverarbeitung in unsere Zivilisation Einzug hielt, die weder dem Konsumenten noch und vor allem den Tieren guttut, allein dem Geldbeutel. Nämlich einerseits dem Geldbeutel der Kunden, die immer weniger für Fleisch ausgeben wollen und andererseits dem Geldbeutel der Großbetriebe, für die Tiere ein einfaches auszubeutendes Produkt darstellen und keine beseelten Lebewesen.

Auch wenn Rensing hier natürlich die Hauptrolle spielt, so schafft es Sarkar gleichzeitig eine ganz wunderbare Figur mit der Ehefrau von Rensing, Jacomine, zu entwerfen. Eine Frau, die ebenso aus einem Metzgerei-Familienbetrieb kommt, der die Metzgerei ebenso am Herzen liegt, die aber in der Lage ist, den Wandel der Zeit zu erkennen, sich anzupassen und auch zu emanzipieren. Eine Fähigkeit, die Rensing vollkommen abgeht. Dabei entstehen ganz großartige Gedanken wie zum Beispiel diese hier:

„Was sie nun tun wollte, war ihr nicht von ihrem Mann eingeflüstert worden, so viel stand fest. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre er nicht allzu glücklich darüber.
Sie selbst würde das, was sie antrieb, als weibliche Intuition bezeichnen, was nichts anderes ist als Intelligenz, die einer Frau aber so manch einer nicht zutraut, wodurch als einzige Erklärung bleibt, dass es sich um eine instinktgesteuerte Emotion handeln muss.“

Auch wenn die gestochen scharfe Sprache von Manik Sarkar ein absoluter Pluspunkt dieses Romans ist, so merkt man doch, dass der Text entstand, als Sarkar nach einem Thema für eine Kurzgeschichte suchte. Mein einziger Kritikpunkt auf hohem Niveau wäre, dass ich mir dann doch an der ein oder anderen Stelle ein bisschen mehr Ausführungen gewünscht hätte. 50 Seiten mehr hätten dem Roman sicherlich auch nicht geschadet.

Dieses Buch tut weh. Auf vielen Ebenen, jedoch nicht literarisch. Deshalb gebe ich eine klare Leseempfehlung ab. Ich, eine überzeugte Vegetarierin, die fast komplett vegan lebt. ^^

4,5/5 Sterne