Mehr Ochse, denn Unternehmer
Was für ein Buch! Ich habe es geliebt. Schräg, witzig, aber auch nachdenklich stimmend. Wie kommt man nur auf die Idee, über einen Mann zu schreiben, der das Metzgerhandwerk über alles liebt und die Philosophie des Fleischverarbeitens für sich entdeckt hat?
Gut, man hätte sich auch ein Buch über einen Konditor oder Maurer vorstellen können- denn eigentlich geht es darum, über einen Menschen zu schreiben, der perfekt ist in seinem Tun, aber letztendlich in der Welt scheitert, da er das Business nicht beherrscht. Buchhaltung, Werbung, Kundenkontakt, das ganze Drumherum, das oft wichtiger ist als das eigentliche Geschäft, ist ihm ein Buch mit sieben Siegeln. Introvertiert, wenig Kontakt zur Außenwelt, einzig die Perfektion bei der Ausübung des Handwerks zählt für ihn. Er passt einfach nicht in diese Welt und muss scheitern.
Aber genau diese Fleischer-Ochsenkopf-Mentalität ist dann das Besondere, was sich auch in der Sprache zeigt. “Allen sturen Ochsenköpfen“ ist dieses Buch gewidmet und der Protagonist „breit wie ein Ochse, massige Oberarme (…), vom Sägen und Hacken und Heben: zähe, sehnige Muskelmasse. Einmal hatte er ein Stierkalb eingekauft, in dessen starren Augen er sich selbst wieder erkannte.“ (S.100) „Niemand konnte sich besser in ein Tier hineinversetzen als er, vor allem in die Kuh, unangefochtene Königin des Tierreichs.“ (S.126) - brilliant formuliert und exakt auf das Thema zugeschnitten.