Rinderwahnsinn mit Tiefgang

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annnnnnna Avatar

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Rensing Junior ist Metzgersohn. Und vermutlich das, was man heute einen Fleisch Sommelier nennen würde. Während andere vor allem verkaufen wollen, sucht er nach Perfektion. Das perfekte Tier, der perfekte Schnitt, das perfekte Stück Fleisch. Qualität ist für ihn keine Frage des Preises, sondern beinahe eine Lebenseinstellung. Doch genau damit steht er zunehmend allein da.

Schon früh spürt Rensing Junior, dass an ihm ein Makel haftet. Er ist der Sohn eines Metzgers und irgendwie anders als die anderen Kinder. Während sein Vater vor allem darauf achtet, dass die Kundschaft zufrieden ist und der Laden läuft, verliert sich der Sohn immer mehr in seinen Idealen und seiner kompromisslosen Leidenschaft für das Handwerk.

Der fragile Dorffrieden gerät endgültig ins Wanken, als ein Supermarkt eröffnet und plötzlich günstiges Fleisch verkauft. Fleisch, das zwar billig ist, aber eben trotzdem gegessen wird. Genau darin liegt die eigentliche Tragik dieses Romans.

Mit Jacomine stellt Manik Sarkar Rensing Junior eine Figur zur Seite, die sofort Leben in die Geschichte bringt. Sie hilft samstags in der Metzgerei aus, stammt selbst aus einer Metzgerfamilie und ist genau das, was ihm fehlt: pragmatisch, geschäftstüchtig und herrlich zupackend. Während Rensing Junior sich immer mehr in seinen Gedanken und Ansprüchen verliert, hält sie ihm auf angenehm direkte Weise den Spiegel vor.

Manik Sarkar hat mich mit diesem Debüt wirklich überrascht. Das Buch umfasst gerade einmal 166 Seiten und trotzdem sitzt beinahe jede Szene. Es braucht nicht einmal einen Vornamen, um Rensing Junior greifbar werden zu lassen. Seine Distanz zu Menschen, seine fast obsessive Leidenschaft für Fleisch und Tiere, sein Unverständnis gegenüber einer Welt, die sich verändert, all das wird unglaublich präzise eingefangen. Vieles wirkt dabei gleichzeitig absurd, tragisch und stellenweise sogar unfreiwillig komisch.

Besonders hängen geblieben ist bei mir die Frage, ob Rensing Juniors Entwicklung wirklich Resignation ist oder vielmehr Anpassung. Gibt er seine Ideale auf oder liefert er am Ende einfach genau das, wonach die Menschen verlangen? Gerade diese Ambivalenz macht den Roman so spannend.

Für mich steckt darin auch eine starke Gesellschaftskritik. Ein Roman über Konsum, Qualität, Verlust von Handwerk und einen Mann, der vor lauter Idealen irgendwann den Blick für die Welt um sich herum verliert.
Skurril, klug und überraschend nachhallend. Rinderwahnsinn im positivsten Sinne.