Vom Scheitern und Sterben

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
lamen Avatar

Von

Ein Buch über einen Metzgersohn ist ungewöhnlich und genau das hat mich neugierig auf "Ochenkopf" von Manik Sarkar gemacht. Allein die Thematik ist zugleich abschreckend und anziehend zugleich.

Der Einstieg hat es auch gleich schon in sich. Rensink übernimmt den Betrieb seines Vaters, und die Beschreibungen des Metzgerberufs sind detailliert und graphisch, zeigen aber auch die Verbindung zwischen der Familie und ihrem Beruf.

Rensing, am Anfang noch junge Metzgersohn ist als Metzger kompetent, doch für das Zwischenmenschlich fehlt ihm das Gespür. Nicht nur in seiner Ehe zeigt sich dies, auch fällt ihm der Umgang mit den Kunden schwer. Seine Ansprüche Fleisch mit Qualität zu verkaufen, können sie auch wie seine anderen Ideen nicht so richtig überzeugen.Stattdessen gehen sie lieber das Billigfleisch im nächsten Supermarkt einkaufen.
All das wird ruhig und mit einer gewissen Distanz erzählt. Passend zum Charakter zu Rensing. Die erste Hälfte zieht sich allerdings etwas, hier passiert vergleichsweise wenig. Ab der Mitte nimmt das Erzähltempo jedoch zu und das Finale ist schließlich nahezu radikal.

"Ochsenkopf" liest sich wie eine griechische Tragödie, von Scheitern und Sterben, denn Buch behandelt den Niedergang des traditionellen Handwerks und das Ringen um eigene Ideale. Rensing sucht vergeblich nach Worten für seinen inneren Konflikt, während ihn die Realität des Ladenalltags immer wieder einholt.

Alles in allem ist das Buch keine leichte Kost, aber eins, wenn man sich darauf einlässt, mit seiner vielschichtigen Handlung und erzählerischen Stärke zu fesseln weiß. Die kurzen Kapitel und geringe Seitenanzahl tragen ihren Anteil dazu bei.