Olympia-Fieber

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coni90 Avatar

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Snowboarderin Amie macht ihren Kindheitstraum wahr und tritt bei den Olympischen Spielen an. Als sich ihre stärkste Konkurrentin verletzt, wird Amie jedoch plötzlich zur US-amerikanischen Hoffnung auf Gold und befindet sich in einer Rolle, die sie stark unter Druck setzt. Doch im Gepäck hat sie viele Unsicherheiten und traut sich den kühnsten Sprung der Snowboarder, einen Double Cork, nicht so recht zu. Als die Presse sich auf sie stürzt und sie vom Rummel überwältigt wird sucht sie schließlich Hilfe bei Eishockeystar Hunter, der ihr Unterstützung durch sein PR-Team anbietet, allerdings nur unter der Bedingung, dass Amie sich als seine Fake-Dating-Partnerin ausgibt, um ihn als verlässlichen Teamkapitän darzustellen. Neben vorgetäuschten Gefühlen entstehen dabei bald auch echte und das Chaos nimmt seinen Lauf...

Mit der Hauptfigur Amie musste ich erst warm werden. Sie wirkte auf mich zu Beginn recht kratzbürstig, vor allem Hunter gegenüber, obwohl er früh signalisierte, dass er sich mit ihr einfach nur gut verstehen möchte. Die Kratzbürstigkeit mit Neigung zur Zickigkeit hat mich anfangs etwas gestört, wurde aber im Verlauf der Geschichte deutlich besser. Gut gefallen hat mir hingegen, dass Amie die Fake-Dating-Idee zunächst ablehnte und erst zustimmte, als sie Hunter besser kennenlernte und selbst einen Nutzen darin sah. Das wirkte auf mich nachvollziehbar.

Hunter habe ich hingegen sofort ins Herz geschlossen. Er ist eine wandelnde Green Flag, herzlich, loyal und mit ehrlichen Absichten, auch wenn er gelegentlich fragwürdige oder etwas unüberlegte Entscheidungen und Aussagen traf. Besonders gelungen fand ich, dass die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive beider Hauptfiguren erzählt wurde. Dadurch bekam ich einen sehr guten Einblick in ihre Gefühlswelten und fühlte mich den Charakteren näher.

Die olympische Atmosphäre wurde insgesamt stark eingefangen: Setting, Ablauf und das besondere Flair der Spiele machten Lust auf Olympia und zeigten gleichzeitig das Chaos, das mit einem solchen Großereignis einhergeht. Dieses Chaos übertrug sich allerdings stellenweise auch auf das Leseerlebnis und das Buch war deutlich weniger ruhig und cozy als ich erwartet habe. Dafür punktete es mit vielen wichtigen Themen: der Einfluss von Profisport auf familiäre, freundschaftliche und romantische Beziehungen, die Opfer, die Hochleistungssport erfordert, der Umgang mit Öffentlichkeit und Presse sowie die Frage, wie weit Menschen für sportlichen Erfolg zu gehen bereit sind.

Leider gab es auch einige Schwächen. Die Dialoge wirkten auf mich stellenweise gestelzt, der Aufbau der Geschichte war nicht immer sauber, und es häuften sich Logikfehler sowie Rechtschreib- und Grammatikfehler. Ein gründlicheres Lektorat hätte dem Buch sehr gutgetan – persönlich hätte ich im Vergleich lieber auf einen Farbschnitt verzichtet.

Einige Entscheidungen der Figuren, etwa warum Amie bei Aufstellung der Fake-Dating-Regeln an auf ein echtes Date bestand, obwohl es nur um Fake-Dating gehen sollte, waren für mich nicht nachvollziehbar. Zudem entwickelten sich manche Situationen zu schnell, wurden nur oberflächlich behandelt und dann abgehakt, was zu spürbaren Verhaltenssprüngen bei den Charakteren führte.

Trotzdem war die Geschichte für mich überraschend fesselnd und ich wollte immer weiterlesen. Das humorvolle Geplänkel zwischen Amie und Hunter sorgte für viele unterhaltsame und süße Momente, und auch Nebenfiguren, besonders Hunters Schwester Evie, bekamen Raum, was dafür sorgte, dass nicht ausschließlich die Romance im Vordergrund stand.

Fazit: Insgesamt ist "One Date to Gold" keine perfekt runde Geschichte und in vielem vorhersehbar, bietet aber eine gelungene Mischung aus Sports-Romance, ernsteren Themen und emotionalen Momenten. Trotz aller Kritikpunkte hat mich das Buch gut unterhalten und bleibt vor allem wegen der besonderen Olympia-Atmosphäre im Gedächtnis.