Stimmt romantisch auf die Winterspiele ein

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
marcello Avatar

Von

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien sind nur noch wenige Wochen entfernt und da kam mir „One Date to Gold“ gerade recht, denn ich schaue sowohl die Winter- als auch die Sommerspiele sehr gerne. Von Ivy Leagh hatte ich als Autorin noch nichts gehört, habe mir aufgrund diverser deutschen Referenzen aber irgendwann gedacht, dass es ein Pseudonym sein wird. So ist es auch und eigentlich gefällt es mir sogar noch besser, einer deutschen Autorin eine Chance zu geben.

Zunächst muss ich sage, dass meine wichtigste Erwartungshaltung, dass ich auch wirklich Vibes von Olympischen Spielen bekomme, erfüllt wurde. Auch wenn mit Sponsorentreffen etc. noch viel drum herum gebaut wurde, aber das Olympische Dorf, die Pressekonferenzen, die Siegerzeremonien etc., das kam alles sehr gut rüber und hat mir auch den Eindruck vermittelt, dass die Autorin ein ebensolcher Fan wie ich selbst ist. Mit Eishockey und Snowboard sind auch coole Sportarten ausgewählt worden, gerade vor dem Hintergrund, dass wir durch eine Mannschaftssportart und einen Solowettbewerb Kontraste haben und dann mit Hunter und Amie klar ist, dass sie eigentlich genau umgekehrt nominiert sein müssen, weil Hunter mehr der Solist und Amie die Teamplayerin ist. Die Autorin hat also einige clevere Entscheidungen getroffen, die beiden dann Raum zum Wachsen gegeben hat.

Ich habe „One Date to Gold” als Hörbuch gehabt und bin mit Hannah Schepmann und Louis Friedemann Thiele, die ich beide stimmlich schon kenne, sehr gut bedient worden. Da gab es ganz sicher nichts zu meckern. Das Buch selbst arbeitet mit einigen beliebten Tropes, die im Klappentext auch schon prominent beworben wurden. Aber ich fand es sehr angenehm, dass ich die Geschichte nicht als Abarbeiten von Klischees und Erwartungen empfunden habe. Fake Dating war hier der Deckmantel, aber man hat doch schnell gemerkt, dass eigentlich nur die beiden sich etwas vormachen. Gleichzeitig hatte die Handlung auch viel Tiefgang zu bieten. Bei Amie haben wir den Erwartungsdruck und den Missbrauch durch Trainer, was leider ein sehr aktuelles Thema ist. Bei Hunter haben wir den Druck der PR-Maschinerie, wir haben eine schwierige Familiensituation, weswegen er seine Schwester vor dem Druck schützen will. Da hat man doch auf beiden Seiten gesehen, dass ein Päckchen da war und beide eine Reise antreten mussten.

Ich fand die Chemie zwischen den beiden sehr gut, da konnte ich gut mitfühlen. Es gab aber so kleine Irritationen, die mich manchmal etwas raus gebracht haben. Zum einen wäre das, dass Amies Perspektive nicht immer kompatibel mit Hunters Beschreibungen war. Ich habe Amie durch ihren Kopf eher als bedacht und auch vorsichtig wahrgenommen. Wenn sie aber mit Hunter verbal gefochten hat oder seine Teamkameraden um den Finger gewickelt hat, da schien sie wie ausgetauscht zu sein. Amie wirkte da sehr frech, was keinesfalls ein falscher Charakterzug ist, aber ich weiß nicht, die Szenen passten für mich nicht immer. Dann muss ich auch gestehen, dass die intimen Szenen nicht unbedingt mein Fall waren. Das ist Geschmackssache. Ich kenne es auch von Elsie Silver, dass das bei ihr immer mein Manko ist und trotzdem lese ich jedes Buch, weil das Drumherum so gut ist. In eine ähnliche Richtung geht Leagh hier auch. Denn ich fand die Entwicklung des Paares schon sehr einnehmend. Ich mochte, wie durchgängig die Spiele eingebunden wurden. Ich mochte es, wie wir auch durch beide Wettbewerbe mitgerissen wurden. Auch wenn das letzte Fünftel nochmal etwas zäh war, aber insgesamt ließ es sich sehr flüssig und überzeugend lesen.

Fazit: „One Date to Gold” kam mir vor den Olympischen Spielen jetzt gerade recht. Ich fand das Setting sehr clever. Ich fand die Geschichte auch sehr tiefgehend, sodass neben beliebten Tropes auch eine schöne Achterbahn der Gefühle möglich war. Es gab zwar Mankos, aber unterm Strich waren das nur Schönheitsfehler.