Coole Grundidee, holpriger Stil

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Stellt euch vor, das eigene Kinderzimmer – eigentlich der sicherste Ort der Welt – verwandelt sich Nacht für Nacht in eine verrottete Hölle. Eine riesige, Gestalt-gewordene Albtraum-Vision, die nach stinkender Kanalisation riecht, steht plötzlich an eurem Bett. Und sie will nur eine einzige Sache von euch wissen, immer und immer wieder geflüstert: „Kann ich in dein Herz?“ Und wie gruselig ist es bitte, wenn das Ganze einem Kind widerfährt? Da bekommt man direkt Gänsehaut am ganzen Körper, oder?


Ich war von Seite eins an völlig fertig. Wie sich die achtjährige Hauptfigur ganz alleine gegen diesen schleichenden Terror stemmt und der Dunkelheit Nacht für Nacht ein eisernes Nein! entgegenschleudert, ist brennend intensiv. Vor allem, weil dieses Nein alles nur noch schlimmer macht. Je länger Bela widersteht, desto aggressiver breitet sich das Grauen im gesamten Haus aus, bis die eigene Zuflucht zur tödlichen Falle wird. Und man sitzt da, leidet mit diesem traumatisierten Kind mit und fragt sich pausenlos: Ist das knallharter, übernatürlicher Horror oder bricht hier gerade einfach nur eine kleine, überforderte Kinderpsyche unter der Last der Erwachsenenwelt zusammen? Puh, ey.


Eigentlich das Fundament für ein absolutes Meisterwerk. Aber jetzt kommt das fette Aber, das mich beim Lesen fast um den Verstand gebracht hat. Die handwerkliche Umsetzung war für mich stellenweise eine reine Zerreißprobe. Josh Malerman schreibt das Ganze zwar konsequent aus der beklemmenden Kinderperspektive, aber das Layout und der Schreibstil auf dem Papier sind ein einziger, chaotischer Irrlauf! Fast nur abgehakte, direkte Rede, schräge Formatierungen und ein Mittelteil, der sich zäh wie Kaugummi zieht. Es zerfetzt die geniale, düstere Atmosphäre wiederholt komplett. Und als wäre das nicht anstrengend genug, werden wir am Ende in einen völlig hastigen, konfusen Showdown katapultiert. Ich saß da und hatte mindestens eine Million unbeantworteter Fragen im Kopf.


Was den Trip für mich etwas gerettet hat, war schlichtweg die emotionale Wucht der Hauptfigur. Es bricht einem das Herz, was für ein seelisches Trauma auf Belas Schultern lastet, während die Bedrohung von Nacht zu Nacht näher rückt. Aber wie bravourös sie versucht, ihr Herz – und damit letztlich alle, die sie liebt – gegen dieses unaufhaltsame Böse zu verteidigen = absolute Bewunderung!


Fazit: Die Grundidee ist psychologisch genial und tiefgründig, aber das Buch stolpert leider gewaltig über seine eigenen Plot-Längen und einen extrem anstrengenden Schreibstil. Trotzdem schaue ich schon extrem neugierig auf die Verfilmung mit Jessica Chastain. Dieser düstere Stoff schreit förmlich nach der Kinoleinwand und hat das Potential für einen grandiosen Horrorfilm, der die Buchschwächen wahrscheinlich locker ausbügeln könnte!