Guter Folgeband

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duckyputz Avatar

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Der neue Band der Oxen-Reihe, „Interregnum“, knüpft nahtlos an die vorherigen Teile an und führt die Leser direkt zurück in die Welt des dänischen Geheimdienstes PET. Der Titel, ein Begriff für eine Übergangszeit ohne klare Machtverhältnisse, trifft den Inhalt ziemlich genau. Zwischen Intrigen, Machtspielen und internationalen Spannungen entsteht ein gefährliches Vakuum, das Niels Oxen, Margarete Franck und Axel Mossmann auszufüllen versuchen.
Die Geschichte wird anfangs in zwei Handlungssträngen erzählt: Während Oxen und sein Team heimlich dem Verdacht nachgehen, dass der zerschlagen geglaubte Geheimbund Danehof weiterexistiert, untersuchen Ermittler in Aalborg mysteriöse Morde an chinesischen Studenten. Erst allmählich verbinden sich die beiden Erzählungen – und offenbart wird ein Spionagefall, der bis in höchste politische Ebenen reicht.
Der Roman ist mit fast 600 Seiten kein leichter Happen. Besonders in der ersten Hälfte zieht sich die Handlung spürbar hin, bevor sie im letzten Drittel ordentlich an Tempo gewinnt. Dafür entschädigt das fulminante Finale, das alle Fäden gekonnt zusammenführt und die Reihe würdig fortsetzt. Schön ist auch, dass die Figuren persönlicher wirken – allen voran Oxen, der durch die Einbindung seines Sohnes Magnus eine neue, menschliche Seite zeigt.
Thematisch überzeugt Interregnum durch seine Nähe zur Realität: Geheimdienste, Überwachung und internationale Manipulation wirken erschreckend glaubwürdig. Wer komplexe Spionage-Thriller mit politischer Tiefe mag und Geduld mitbringt, wird hier bestens bedient. Ein spannender, wenn auch etwas langatmiger, Beitrag zur Oxen-Reihe.