Prinzipiell eine gute Geschichte, aber nur schwache Spannung

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schnukilein1904 Avatar

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Ich liebe skandinavische Krimis. Wirklich. Düster, politisch, kantig, mit Figuren, die mehr Narben als Antworten haben. Genau deshalb habe ich zu diesem Buch gegriffen. Und genau deshalb war die Enttäuschung am Ende spürbar.

„Oxen. Interregnum“ ist der siebte Teil der Reihe rund um den ehemaligen Elitesoldaten Niels Oxen. Man befindet sich mitten in einem politischen Machtspiel rund um den sogenannten Danehof und eine Figur namens Mossman, der mit seinem Interregnum eine Art Schattenordnung etablieren will. Es geht um geheime Strukturen, fanatische Strippenzieher, illegale Machenschaften und den Versuch, ein System von innen heraus zu entlarven.

Das Problem: Als Leserin wird man dabei erstaunlich allein gelassen.

Was oder wer der Danehof eigentlich ist, wird nicht klar erklärt. Nicht einmal angerissen. Wenn man die Reihe kennt, mag man sich das zusammenreimen können. Ohne Vorwissen wird es zäh. Und selbst mit Vorwissen bleibt vieles unnötig verkopft und langatmig. Die Geschichte zieht sich, verliert sich in Wiederholungen und wirkt stellenweise so, als müsse auf Teufel komm raus eine bestimmte Seitenzahl erreicht werden.

Der Schreibstil an sich ist gut. Flüssig, sauber, routiniert. Daran liegt es nicht. Aber Stil allein trägt keinen Thriller, wenn die Spannung fehlt. Und genau die kam bei mir nie richtig auf. Zu viele Brüche, zu viele Wiederholungen, zu wenig Zug.

Was das Buch für mich tatsächlich gerettet hat, war der Nebenstrang rund um Oxen selbst. Seine persönliche Geschichte, seine inneren Konflikte, seine Rolle als Vater. Dieser Teil hatte Tiefe. Der hatte Emotion. Da war plötzlich das, was ich mir vom ganzen Buch gewünscht hätte.

Trotzdem habe ich nach etwa der Hälfte abgebrochen. Nicht aus Trotz, sondern aus Ehrlichkeit. Ich wollte weiterlesen wollen. Ich habe es aber nicht.

Unterm Strich: ein solides Buch mit angenehmem Schreibstil, interessanten Figuren und einer grundsätzlich spannenden Idee. Für mich persönlich aber zu langatmig, zu erklärungsarm und zu wenig packend. Ich werde vermutlich kein glühender Oxen-Fan mehr werden. Dafür gibt es im skandinavischen Thrillerregal einfach zu viele Reihen, die mich stärker am Kragen packen.

Für eingefleischte Oxen-Leserinnen und -Leser mag dieser Band funktionieren. Für mich war es diesmal leider nicht das Richtige.