Beeindruckend nah!

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biwanti Avatar

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Es ist faszinierend, wie die Autorin ihre sperrige Figur Friedchen so zugänglich macht, dass ich dranbleiben will, gespannt bin, nur aus ihren Augen zu erfahren, wie sich ihr Leben entspinnt. Fast radikal ist der Einstieg, der uns konfrontiert mit einer Frau, die beständig am Rand der Verzweiflung zu sein scheint. Man weiß noch nicht genau, ob Friedchen wirklich noch versucht, ihr Leben zu meistern oder ob sie es eigentlich schon vor langer Zeit aufgegeben hat.

Umso berührender ist die Rückblende, in der sie - nach einer offenbar sehr schwierigen, lieblosen und gewaltvollen Kindheit in Armut - endlich einen Hoffnungsschimmer für eine rosigere Zukunft sieht in der Anstellung bei den Fabrikanten Herzberg. Und selbst die ungewollte Schwangerschaft führt zumindest zunächst nicht zu einem Bruch, sondern wird wohlwollend begleitet und sie lernt in Paula, der jungen werdenden Ärztin eine studierte Frau kennen, die ihr aber offenbar recht ähnlich ist.

Hier öffnen sich Türen trotz aller Schwierigkeiten, die Katharina Höftmann einerseits schonungslos, aber mit einer verblüffenden Leichtigkeit erzählt. Und dieser Leichtigkeit wollen wir LeserInnen gerne folgen, auch wenn wir wissen, nicht nur wegen der Epoche, in der es spielt, dass gewiss noch viele einschneidende, wohl auch traumatisierende Erfahrungen kommen werden.

Ich bin wirklich gespannt, auf den Lebensweg dieser gebeutelten Frau, auf die Brüche und Erfahrungen, nicht nur, weil sie so leicht, fast naiv erzählt eine unglaubliche Authentizität und Zugänglichkeit bekommen, sondern vielleicht auch, weil gerade im Anfang, in dem uns so viel Scheitern begegnet, zugleich eine Entwicklungshoffnung steckt.