Eine Freundschaft, die ein ganzes Jahrhundert überdauert
„Ozean“ von Katharina Höftmann ist für mich eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, Verlust und die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn sich das eigene Leben durch äußere Umstände für immer verändert. Besonders berührt hat mich dabei die Geschichte von Friedchen und Paula, deren Freundschaft 1932 in Berlin beginnt und die zunächst so unbeschwert und selbstverständlich wirkt.
Friedchen und Paula lernen sich kennen und verstehen sich praktisch auf Anhieb. Beide sind jung, voller Energie und voller Träume. Sie wollen das Leben genießen, tanzen, lachen und glauben daran, dass ihre Freundschaft für immer halten wird. Gerade diese Leichtigkeit am Anfang hat mir gefallen, weil man als Leser gleichzeitig weiß, dass diese unbeschwerte Zeit nicht von Dauer sein wird. Man liest ihre gemeinsamen Erlebnisse deshalb irgendwie mit einem zweiten Gefühl im Hinterkopf.
Friedchen war für mich dabei eine besonders interessante Figur. Sie ist jung, lebenshungrig und voller Hoffnungen. Gleichzeitig merkt man, dass sie sich emotional stark an Paula und später auch an Max bindet. Ihre Gefühle für Max entwickeln sich zunächst fast nebenbei. Er ist Paulas charmanter Cousin und für Friedchen entsteht daraus eine Liebe, die zunächst einfach zu dieser aufregenden Zeit ihres Lebens gehört.
Max hat mir als Figur ebenfalls sehr gefallen. Durch ihn wird die persönliche Geschichte der drei noch enger miteinander verbunden. Er ist nicht einfach nur Friedchens große Liebe, sondern gehört gleichzeitig zu Paulas Familie. Dadurch entstehen Beziehungen, die später durch die politischen Veränderungen umso schmerzhafter werden.
Was ich an „Ozean“ besonders gelungen finde, ist, dass Katharina Höftmann die Geschichte nicht ausschließlich auf die großen historischen Ereignisse reduziert. Stattdessen erlebt man diese Veränderungen durch die persönlichen Schicksale der Figuren. Dadurch bekommt Geschichte für mich ein Gesicht.