Guter Auftakt
Dieser Auftakt hat mich mit seiner zupackenden, warmherzig-derben Erzählstimme sofort gepackt. Friedchen, die ihren dreieinhalbjährigen Sohn Sigger nach vier Schnäpsen auf dem Kneipenklo vergisst, ist mit ihrer Mischung aus Trotz, Überforderung und Zuneigung eine ungewöhnliche Figur. Die Szene ist komisch und tieftraurig zugleich, gerade weil sie ohne Urteil erzählt wird. Die wiederkehrenden Straßennamen, die Hitlerstraße, die Bahnstraße und dann Ernst-Thälmann-Straße, zeigen beiläufig, wie sich Zeiten und Systeme überschreiben, während die Menschen dieselben Wege laufen.
Die Rückblende ins Jahr 1932 hat mich noch mehr überzeugt. Friedchens ungewollte Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung, ihre verzweifelten Versuche, das Kind loszuwerden, die Angst vor den Engelmacherinnen und der Mutter, die sie zum Behalten zwingen würde, sind bedrückend konkret geschildert, ohne in Larmoyanz zu kippen. Das Haus der jüdischen Fabrikantenfamilie Herzberg als Gegenwelt zu ihrem Elternhaus, mit Rosen, Gedichten und dem Lesenlernen, wirkt glaubwürdig und gibt Friedchen eine Würde, die man ihr zunächst nicht zugetraut hätte. Dass die Autorin dabei im Hintergrund schon die kommende Bedrohung mitschwingen lässt, etwa in der Bemerkung des Vaters über die Arbeit "für die Juden", gefällt mir.
Paula Levin, die redselige junge Ärztin in Hosen, bringt viel Leichtigkeit in diese Szenen. Ihre Rückkehr 1951 mit einem kleinen Jungen, bei der Friedchen ihr die Tür vor der Nase zuschlägt, macht sofort neugierig auf das, was zwischen den beiden Frauen geschehen ist. Ein wenig angestrengt wirkt für mich zuweilen der Hang zu Wiederholungen und erklärenden Einschüben, aber das passt auch zu Friedchens sprunghaftem Erzählen. Ich bin gespannt auf die Geschichte dieser ungleichen Freundschaft, die im Titel Ozean wohl noch viel Raum bekommt, und auf das Schicksal der Kinder, die Friedchen bei Oma Else und bei sich aufwachsen lässt.
Die Rückblende ins Jahr 1932 hat mich noch mehr überzeugt. Friedchens ungewollte Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung, ihre verzweifelten Versuche, das Kind loszuwerden, die Angst vor den Engelmacherinnen und der Mutter, die sie zum Behalten zwingen würde, sind bedrückend konkret geschildert, ohne in Larmoyanz zu kippen. Das Haus der jüdischen Fabrikantenfamilie Herzberg als Gegenwelt zu ihrem Elternhaus, mit Rosen, Gedichten und dem Lesenlernen, wirkt glaubwürdig und gibt Friedchen eine Würde, die man ihr zunächst nicht zugetraut hätte. Dass die Autorin dabei im Hintergrund schon die kommende Bedrohung mitschwingen lässt, etwa in der Bemerkung des Vaters über die Arbeit "für die Juden", gefällt mir.
Paula Levin, die redselige junge Ärztin in Hosen, bringt viel Leichtigkeit in diese Szenen. Ihre Rückkehr 1951 mit einem kleinen Jungen, bei der Friedchen ihr die Tür vor der Nase zuschlägt, macht sofort neugierig auf das, was zwischen den beiden Frauen geschehen ist. Ein wenig angestrengt wirkt für mich zuweilen der Hang zu Wiederholungen und erklärenden Einschüben, aber das passt auch zu Friedchens sprunghaftem Erzählen. Ich bin gespannt auf die Geschichte dieser ungleichen Freundschaft, die im Titel Ozean wohl noch viel Raum bekommt, und auf das Schicksal der Kinder, die Friedchen bei Oma Else und bei sich aufwachsen lässt.