Unmittelbar und ehrlich
Der unmittelbare Stil der Autorin hat mich direkt hineingeworfen in die prekäre Situation von Friedchen im Jahr 1951. Fast war es ein Aufatmen, als es im nächsten Kapitel erst einmal im Jahre 1932 weiterging - aber nur kurz, denn hier erfahren wir, aus welchen Verhältnissen sie kommt und welchen schlimmen Situationen sie schon früh ausgesetzt war. Es ist interessant, dass die Autorin ehrlich und direkt beleuchtet, wie Frauenleben in diesen Zeiten (auch) aussehen konnten. Paula und das Ehepaar Herzberg sind dagegen Lichtblicke, auf die man sich konzentrieren möchte. Auch, wenn in der Leseprobe das Kennenlernen der beiden jungen Frauen stattfindet, überwiegt eine bedrückende Atmosphäre - und da der Verlauf der Geschichte bekannt ist, wird es wohl nur an wenigen Stellen ein fröhliches Buch werden. Dennoch bin ich gespannt darauf, zu erfahren, wie es Friedchen und Paula bis zu ihrem Wiedersehen 1951 ergangen ist und ob die späte Wiederbegegnung etwas Licht in Friedchens tristes Leben bringen kann. Besonders spanennd finde ich, dass auch die Nachkriegszeit behandelt wird und die emotionalen (Spät)Folgen des Krieges sichtbar werden. Ich würde mich über ein Leseexemplar freuen, auch, wenn es stellenweise sicher keine leichte, aber bestimmt eine beeindruckende Lektüre sein wird.