Berührender Roman vor dem Hintergrund jüdischer Geschichte
Der Roman erzählt von der Freundschaft zwischen einer Jüdin und einer Nichtjüdin, die in deren jungem Erwachsenenalter in Deutschland im Jahr 1932 kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in einem Entbindungshaus in Brandenburg beginnt und in einem ersten Erzählstrang bis zum Jahr 1951 reicht. Verknüpft wird dieser Teil mit einem zweiten Erzählstrang, der in einem Kibbuz in Israel angesiedelt ist und in dem es um die Geschehnisse rund um den Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 geht. Hauptfiguren sind hier die ebenfalls befreundeten jugendlichen Urenkeltöchter. Erzählt wird nicht chronologisch. Gesprungen wird zwischen Kapiteln vor und nach dem Zweiten Weltkrieg und den Tagen vor dem 7. Oktober 2023. Die vielen Handlungsorte sind aufregend: Berlin, London, Palästina. Die Geschichte wurde vorbildhaft von der Autorin recherchiert, was den historischen Hintergrund anbelangt. Hier war ihr sicherlich ihr Studium der deutsch-jüdischen Geschichte nützlich und hilfreich. Zu erwähnen seien da der realistisch dargestellte Antisemitismus, die Pogrome im November 1938 oder das Lagerleben in Auschwitz. Wesentliche Aspekte der jüdischen Geschichte, von deren Grausamkeit man ja weiß, die aber zwecks Verhinderung des Vergessens auch nicht oft genug in Erinnerung gerufen werden können, werden schonungslos wiedergegeben. Dabei ist der Roman sehr emotional. Das Schicksal der Romanfiguren berührt sehr. Der besondere Dreh ist, dass ein vermeintlicher Verrat die Freundschaft der beiden Frauen vorübergehend für lange Zeit beendet. Was mich allerdings ein wenig gestört hat, ist zu lesen, dass die eine Freundin Jüdin und zugleich Lesbe ist und ihr Liebesleben aus damaligem Blickwinkel zu offen auslebte.
Ich empfehle diesen Roman gerne allen, die Erzählungen mit geschichtlichem Bezug mögen.
Ich empfehle diesen Roman gerne allen, die Erzählungen mit geschichtlichem Bezug mögen.