Humorvoll, überraschend und mit kleinem Haken

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Mit Paul bekommt kein Kätzchen ist dem Autorentrio Bernhard Hoëcker, Eva von Mühlenfels und Angela Glökler ein Kinderbuch gelungen, das ich mit gemischten, aber überwiegend positiven Gefühlen aus der Hand gelegt habe. Als Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren verspricht es schon im Klappentext Witz, Überraschungen und ein tolles Vorleseerlebnis – und genau das bekommt man auch.
Besonders begeistert haben mich die wunderschön gestalteten Illustrationen. Auf jeder Seite gibt es viel zu entdecken, kleine Details, schräge Nebenhandlungen und liebevolle Zeichnungen, die das gemeinsame Betrachten zu einem Erlebnis machen. Dass plötzlich eine Ziege in Pauls Kinderzimmer steht, ist herrlich absurd und sorgt bei Kindern garantiert für lautes Gelächter. Diese schrägen Momente sind es, die das Buch von vielen anderen Bilderbüchern abheben.
Spannend finde ich zudem die gebrochene Erzählebene: Der Erzähler spricht direkt mit Paul, diskutiert mit ihm und verliert gelegentlich die Kontrolle über die Geschichte. Das ist klug und sehr humorvoll gemacht. Allerdings habe ich mich beim Vorlesen gefragt, ob wirklich jedes Kind diese Metaebene sofort versteht. Hier ist definitiv Vorlesetalent gefragt, damit die unterschiedlichen Stimmen klar werden und die Kinder folgen können. Mit etwas Einsatz entsteht dafür ein wunderbar lebendiger Dialog.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für mich das Thema, dass ein Kätzchen in einer Zoohandlung „geholt“ werden soll. Das empfinde ich nicht ganz zeitgemäß. Zwar wird das Kätzchen letztlich nicht dort gekauft, doch die Ausgangsidee hinterlässt bei mir einen leicht kritischen Beigeschmack.
Mein Fazit: Ein ganz süßes, originelles Kinderbuch mit tollen Illustrationen und viel Humor – nur das Motiv des Tierkaufs in der Zoohandlung hätte sensibler gelöst werden können.