Zwischen Kontrollverlust und schwarzem Humor

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Der Einstieg ist roh, direkt und gleichzeitig überraschend komisch – ein Zusammenbruch im Konferenzraum, garniert mit einem lakonischen „Bossbitch“-Kommentar. Dieser Kontrast aus Ernst und Ironie setzt sofort den Ton: Hier wird nichts beschönigt, aber auch nichts pathetisch überhöht.
Die Erzählstimme wirkt unglaublich nahbar. Man ist nicht nur dabei, man steckt förmlich im Körper der Protagonistin – spürt die Schwere der Glieder, die Benommenheit, die Hilflosigkeit. Besonders eindrücklich ist die Krankenhaus-Szenerie: unangenehm, entwürdigend, fast schon klaustrophobisch. Gleichzeitig blitzen immer wieder diese trockenen, fast absurden Gedanken auf („Der Himmel ist aus Sand“, „Ich möchte Pommes und Burger essen!“), die dem Ganzen eine ganz eigene Dynamik geben.
Was mich besonders berührt hat, ist die unterschwellige emotionale Ebene: die Angst vor Kontrollverlust, das Alleinsein in einer Ausnahmesituation und vor allem das schmerzhafte Scheitern beim Versuch, Hilfe zu bekommen. Die Chatverläufe sind dabei erschreckend realistisch – kurze Nachrichten, große Wirkung. Jeder Korb trifft, jede Ausrede hallt nach.
Und dann dieser leise, fast zaghafte Moment mit den Eltern am Ende – ein Bruch in der Härte, der sofort unter die Haut geht. Hier deutet sich an, dass hinter der drastischen, teils schonungslosen Oberfläche eine tiefere Geschichte über Beziehungen, Abhängigkeit und vielleicht auch alte Wunden steckt.
Mein erster Eindruck: intensiv, schonungslos ehrlich und gleichzeitig überraschend humorvoll. Ein Text, der nicht nur gelesen, sondern regelrecht durchlebt wird – und der definitiv neugierig auf mehr macht.

Ich würde gern weiterlesen! 🙂