Arme Hanna
Arme Hanna – sehr allein gelassen von allen – von Freund, Mutter, Schwester, Freunden, Chefin. Der Freund schert sich offenbar nicht darum, wie es ihr geht, er will, dass sie vorläufig bei ihren Eltern bleibt. Die Vorgesetzte kickt sie gleich ins berufliche Aus. Die Mutter lebt in ihrer eigenen Welt und kann oder will (Hannas) Realität nicht wahrhaben. So scheint es alles zumindest.
Alle haben ihre eigenen Sorgen, wollen und brauchen ihre Ruhe und sind überfordert, wenn sie sich auch noch Hannas Probleme kümmern sollen.
Man redet nur oberflächlich miteinander und tut so, als wäre alles okay. Hanna fühlt sich allein und ist frustriert, aber sie möchte sich auch nicht aufdrängen, möchte nicht zur Last fallen. Und so spielt sie mit, solange es geht.
Nicht nur die Familie schweigt und redet drum herum, sehr interessant fand ich, dass auch Hanna als Ich-Erzählerin schweigt. Ihr wirkliches Problem wird immer nur angedeutet, nie formuliert sie es klar. Dennoch kann man es bald zwischen den Zeilen „herauslesen“. Ich habe lange überlegt, ob ich es denn hier schreiben kann, oder ob das gespoilert wäre. Wer selber rätseln möchte, liest jetzt hier bitte nicht mehr weiter. Aber ich denke, es ist nicht gespoilert, denn es wird ja auch später im Buch nicht deutlich geschrieben und außerdem ist Hannas Krise exemplarisch. Das Schweigen und Nicht-Miteinanderreden, das Leiden und Nicht-Verarbeiten-Können, könnte sich ebenso auf andere Lebenskrisen beziehen.
Und was ist nun mit Hanna? Sie hatte Fehlgeburten, nicht nur eine. Die Autorin weiß, wovon sie erzählt, sie hatte selbst eine Fehlgeburt.
Mit der Zeit habe ich Frieden schließen können mit dem offenbar ignoranten Freund und den scheinbar gefühllosen Eltern. Es ist nicht Oberflächlichkeit, die Eltern lieben Hanna, sind aber hilflos, wissen nicht, wie sie mit ihr darüber reden können, haben Angst, verheilende Wunden wieder aufplatzen zu lassen, wenn sie etwas ansprechen.
Jeder hat eine andere Art zu trauern und ein verlorenes Kind, das beide Eltern wünschten, ist ein Trauerfall, ist ein gestorbenes Kind, auch wenn es noch nicht ausgetragen war. Vielen Paaren, denen ein Kind gestorben ist, gelingt es nicht, ihre Beziehung aufrecht zu erhalten, weil sie auf unterschiedliche Art mit der Trauer umgehen. Und das mag man vielleicht auch Hannas Freund Paul zu Gute halten, möglicherweise hat er einen anderen Weg, um damit fertig zu werden und schafft es darum nicht, Hanna zu begleiten.
Trotz der schweren Thematik, ist das Buch leicht lesbar. Lena Kupke erzählt klar und direkt und auch mit zynischem Humor.
Hannas schnell wechselnde Gedanken und Emotionen sind sehr authentisch wiedergegeben, insbesondere ihr ambivalentes Verhältnis zu den Eltern: einerseits ist sie genervt von deren Schrullen, andererseits spürt sie aber auch das Liebenswerte daran.
Das Buch handelt von Liebe und Familie, von Trauer und Verlust, von der Einsamkeit und vom Schweigen, von Kindheit und Zuhause.
Hauptthema ist für mich die Sprachlosigkeit, das Unvermögen, über Probleme reden zu können, seitens der Betroffenen, aber auch seitens der Angehörigen und dem sozialen Umfeld.
Aber, und das ist das Versöhnliche daran: es handelt auch vom Neubeginn.
Ein Sonderlob geht an die Zuständigen der Covergestaltung. Die wunderbaren Erhebungen der Buchstaben verleiten mich dazu, immer wieder darüber streichen zu müssen.
Nun etwas Kritik:
Was ich mir gerne gespart hätte bzw. ich wünsche, man hätte es mir erspart: den Nachrichtenaustausch mit ihrer Freundin Blanca und den Analsexversuch. Beides war aus meiner Sicht für die Geschichte nicht nötig und hat (meinem) Lesevergnügen nicht gutgetan, sondern eher geschadet. Und der neue Freund war mir etwas zu perfekt.
Alle haben ihre eigenen Sorgen, wollen und brauchen ihre Ruhe und sind überfordert, wenn sie sich auch noch Hannas Probleme kümmern sollen.
Man redet nur oberflächlich miteinander und tut so, als wäre alles okay. Hanna fühlt sich allein und ist frustriert, aber sie möchte sich auch nicht aufdrängen, möchte nicht zur Last fallen. Und so spielt sie mit, solange es geht.
Nicht nur die Familie schweigt und redet drum herum, sehr interessant fand ich, dass auch Hanna als Ich-Erzählerin schweigt. Ihr wirkliches Problem wird immer nur angedeutet, nie formuliert sie es klar. Dennoch kann man es bald zwischen den Zeilen „herauslesen“. Ich habe lange überlegt, ob ich es denn hier schreiben kann, oder ob das gespoilert wäre. Wer selber rätseln möchte, liest jetzt hier bitte nicht mehr weiter. Aber ich denke, es ist nicht gespoilert, denn es wird ja auch später im Buch nicht deutlich geschrieben und außerdem ist Hannas Krise exemplarisch. Das Schweigen und Nicht-Miteinanderreden, das Leiden und Nicht-Verarbeiten-Können, könnte sich ebenso auf andere Lebenskrisen beziehen.
Und was ist nun mit Hanna? Sie hatte Fehlgeburten, nicht nur eine. Die Autorin weiß, wovon sie erzählt, sie hatte selbst eine Fehlgeburt.
Mit der Zeit habe ich Frieden schließen können mit dem offenbar ignoranten Freund und den scheinbar gefühllosen Eltern. Es ist nicht Oberflächlichkeit, die Eltern lieben Hanna, sind aber hilflos, wissen nicht, wie sie mit ihr darüber reden können, haben Angst, verheilende Wunden wieder aufplatzen zu lassen, wenn sie etwas ansprechen.
Jeder hat eine andere Art zu trauern und ein verlorenes Kind, das beide Eltern wünschten, ist ein Trauerfall, ist ein gestorbenes Kind, auch wenn es noch nicht ausgetragen war. Vielen Paaren, denen ein Kind gestorben ist, gelingt es nicht, ihre Beziehung aufrecht zu erhalten, weil sie auf unterschiedliche Art mit der Trauer umgehen. Und das mag man vielleicht auch Hannas Freund Paul zu Gute halten, möglicherweise hat er einen anderen Weg, um damit fertig zu werden und schafft es darum nicht, Hanna zu begleiten.
Trotz der schweren Thematik, ist das Buch leicht lesbar. Lena Kupke erzählt klar und direkt und auch mit zynischem Humor.
Hannas schnell wechselnde Gedanken und Emotionen sind sehr authentisch wiedergegeben, insbesondere ihr ambivalentes Verhältnis zu den Eltern: einerseits ist sie genervt von deren Schrullen, andererseits spürt sie aber auch das Liebenswerte daran.
Das Buch handelt von Liebe und Familie, von Trauer und Verlust, von der Einsamkeit und vom Schweigen, von Kindheit und Zuhause.
Hauptthema ist für mich die Sprachlosigkeit, das Unvermögen, über Probleme reden zu können, seitens der Betroffenen, aber auch seitens der Angehörigen und dem sozialen Umfeld.
Aber, und das ist das Versöhnliche daran: es handelt auch vom Neubeginn.
Ein Sonderlob geht an die Zuständigen der Covergestaltung. Die wunderbaren Erhebungen der Buchstaben verleiten mich dazu, immer wieder darüber streichen zu müssen.
Nun etwas Kritik:
Was ich mir gerne gespart hätte bzw. ich wünsche, man hätte es mir erspart: den Nachrichtenaustausch mit ihrer Freundin Blanca und den Analsexversuch. Beides war aus meiner Sicht für die Geschichte nicht nötig und hat (meinem) Lesevergnügen nicht gutgetan, sondern eher geschadet. Und der neue Freund war mir etwas zu perfekt.