Berührend

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geli73 Avatar

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Schon die Leseprobe hat mich in ihren Bann gezogen. Das Cover ist ungewöhnlich, das knallige Orange zieht die Aufmerksamkeit auf sich, dazu eine Frau, die im Schlafanzug auf dem Wort "Pause" sitzt. Die Buchstaben sind erhaben und das Buch hat ein Lesebändchen.

"Du weißt nicht, wie stark du bist, bis du stark sein musst" - Damit wird der Roman eröffnet.

Die Ich-Erzählerin Hanna ist bei einer Veranstaltung ohnmächtig geworden und wird ins Krankenhaus verfrachtet. Durch die starken Medikamente darf sie nicht allein nach Hause gehen und versucht, verschiedene Freunde und Bekannte zu erreichen, damit sie jemand abholt und nach Hause bringt. Ihr Freund hat besseres vor, zudem scheint die Beziehung angespannt zu sein. Eine Freundin meint, dass sie erstmal Abstand braucht, nachdem Hanna sie verletzt hat. Und weitere Alternativen hat Hanna nicht, bis auf ihre Eltern. Ihre Mutter schiebt vor, dass ihr das alles zuviel Unruhe reinbringt und es ihr selbst auch nicht gut geht, doch ihr Vater ist sofort zur Stelle, fährt die 200 Kilometer von Lüneburg bis in die Nähe von Berlin und holt seine angeschlagene Tochter nach Hause.

Lüneburg, Hannas Heimat, der Ort, wo auch ihre Schwester Sara mit ihrer Partnerin lebt.

Hanna will eigentlich nur zurück nach Berlin, doch ihr Freund Paul lässt sie hängen, muss sich auch erst mal um sich selbst kümmern und meint, dass der Abstand und die Ruhe voreinander beiden gut tun würde. Auch ihre Mutter zeigt ihr relativ deutlich, dass sie doch gern hätte, dass Hanna ihr altes Leben wieder aufnimmt und auch mit ihrer Schwester kommt es schnell zum Streit. Doch Hanna steckt fest, nicht nur in Lüneburg, sondern auch in ihrem Leben.

Wow, was für eine Situation! Was ist passiert, dass die 36-jährige so fallen gelassen wird? Einzig Helen, die Nachbarin ihrer Eltern nimmt Hanna so an, wie sie ist. Gibt ihr Raum und Halt.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen. Es gibt etliche Situationen, wo ich mit Hanna mitfühlen kann und mich doch frage, warum es in ihrem Freundeskreis niemanden gibt, der ihr helfen will. Aber auch, warum sie nicht deutlicher um Hilfe bittet? Es scheint anerzogen zu sein, denn auch in ihrer Familie redet man nie offen. Hanna hat viel mitgemacht und doch immer wieder durchgehalten, was sich nun rächt.


Sie erschien mir im Roman jünger als 36, vielleicht auch, weil sie oftmals Kind ist und eher trotzig als souverän agiert.


Mich hat "Pause" berührt, ich habe mit der Protagonistin mitgefühlt, konnte aber auch die Eltern in ihrer Überforderung verstehen. Schön war auch immer wieder der Humor, der durchblitzt.