Ein Roman, der unter die Haut geht
Hanna steht mitten im Leben – zumindest scheint es von außen so. Doch als sie nach einem Zusammenbruch gezwungen ist, eine Pause einzulegen, wird schnell deutlich, wie viel sie schon viel zu lange mit sich herumträgt. Zwischen Familie, Beziehung, Freundschaften und der Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte, beginnt für sie langsam die Auseinandersetzung mit sich selbst und ihrem Umfeld.
Was mich an "Pause" sofort überzeugt hat, war der Schreibstil. Lena Kupke schreibt sehr nahbar und emotional, ohne dabei schwer oder pathetisch zu wirken. Im Gegenteil, trotz der ernsten Themen las sich der Roman erstaunlich leicht. Besonders gut gelungen fand ich den Wechsel zwischen humorvollen Momenten, Gedankenspiralen und den vielen stillen, bedrückenden Szenen und ich bin dadurch sehr schnell in die Geschichte gekommen.
Besonders stark fand ich die Darstellung psychischer Erkrankungen und wie oft sie vom Umfeld bagatellisiert werden. Hanna wird von vielen Menschen in ihrem Leben nicht wirklich gesehen, weder von ihrem Partner noch von ihrer Familie oder ihren Freunden. Ihre Mutter wiegelt z.B. oft ab, sie "möchte nicht belastet werden". Dieses Gefühl von Einsamkeit trotz sozialem Umfeld fand ich sehr eindrücklich beschrieben und hat mich sehr mitgenommen.
Hanna selbst ist dabei ebenfalls keine einfache Hauptfigur. Sie macht Fehler, fällt immer wieder in alte Muster zurück und schafft es lange nicht, für ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Das wirkte auf mich authentisch, auch wenn ich manche Entscheidungen nur schwer nachvollziehen konnte. Andere Figuren haben mich dagegen fast durchgehend aufgeregt, entweder weil sie sich egoistisch und herablassend verhielten oder weil sie Hanna und ihren Problemen gegenüber zu passiv oder geradezu bagatellisierend gegenüber standen.
Besonders beschäftigt hat mich Hannas Familie. Die Dynamik zwischen den Eltern, Hanna und ihrer Schwester wirkte auf mich erschreckend authentisch. Da ist durchaus Liebe vorhanden, aber niemand spricht aus, was eigentlich in ihm vorgeht und keiner hört wirklich zu, wenn es dann mal ausgesprochen wird. Stattdessen wird vieles unter den Teppich gekehrt. Gerade diese Familienkonstellation hat bei mir oft einen Nerv getroffen und mich beschäftigt.
Leider hatte der Roman für mich auch einige Schwächen. Viele Nebenfiguren blieben sehr stereotyp, manche Szenen oder Charaktere wirkten überzeichnet und einige Handlungsstränge verliefen einfach im Sand. Vor allem hätte ich mir eindeutige Klarheit über Hannas Vergangenheit gewünscht. Das ständige Andeuten hat bei mir irgendwann eher für Ungeduld als für Spannung gesorgt.
Mit dem Ende bin ich ebenfalls nicht ganz glücklich geworden. Zwar fand ich es gut, dass Hanna endlich offen mit ihrer Meinung herausrückt und sich für eine Heilbehandlung entscheidet, wirklich befriedigend war dieser Abschluss für mich aber nicht. Zu viele Konflikte blieben ungelöst, so blieben z.B. Hannas berufliche und private Zukunft weitgehend offen. Das offene Ende an sich hat mich nicht grundsätzlich gestört, sondern eher, dass es sich emotional schon sehr nach „Friede, Freude, Eierkuchen“ anfühlte, obwohl die eigentlichen Probleme erst beginnen, aufgearbeitet zu werden. Zudem wirkte es in meine Augen etwas überhastet.
Trotz meiner Kritik hat mich "Pause" oft berührt und zum Nachdenken gebracht. Vor allem die sensible Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit und familiären Mustern ist Lena Kupke gelungen. Erzählerisch hätte ich mir an einigen Stellen jedoch mehr Konsequenz und weniger Leerlauf gewünscht. Insgesamt bleibt es für mich daher ein lesenswerter Roman mit wichtigen Themen, der sein Potenzial aber nicht ganz ausschöpft.
Was mich an "Pause" sofort überzeugt hat, war der Schreibstil. Lena Kupke schreibt sehr nahbar und emotional, ohne dabei schwer oder pathetisch zu wirken. Im Gegenteil, trotz der ernsten Themen las sich der Roman erstaunlich leicht. Besonders gut gelungen fand ich den Wechsel zwischen humorvollen Momenten, Gedankenspiralen und den vielen stillen, bedrückenden Szenen und ich bin dadurch sehr schnell in die Geschichte gekommen.
Besonders stark fand ich die Darstellung psychischer Erkrankungen und wie oft sie vom Umfeld bagatellisiert werden. Hanna wird von vielen Menschen in ihrem Leben nicht wirklich gesehen, weder von ihrem Partner noch von ihrer Familie oder ihren Freunden. Ihre Mutter wiegelt z.B. oft ab, sie "möchte nicht belastet werden". Dieses Gefühl von Einsamkeit trotz sozialem Umfeld fand ich sehr eindrücklich beschrieben und hat mich sehr mitgenommen.
Hanna selbst ist dabei ebenfalls keine einfache Hauptfigur. Sie macht Fehler, fällt immer wieder in alte Muster zurück und schafft es lange nicht, für ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Das wirkte auf mich authentisch, auch wenn ich manche Entscheidungen nur schwer nachvollziehen konnte. Andere Figuren haben mich dagegen fast durchgehend aufgeregt, entweder weil sie sich egoistisch und herablassend verhielten oder weil sie Hanna und ihren Problemen gegenüber zu passiv oder geradezu bagatellisierend gegenüber standen.
Besonders beschäftigt hat mich Hannas Familie. Die Dynamik zwischen den Eltern, Hanna und ihrer Schwester wirkte auf mich erschreckend authentisch. Da ist durchaus Liebe vorhanden, aber niemand spricht aus, was eigentlich in ihm vorgeht und keiner hört wirklich zu, wenn es dann mal ausgesprochen wird. Stattdessen wird vieles unter den Teppich gekehrt. Gerade diese Familienkonstellation hat bei mir oft einen Nerv getroffen und mich beschäftigt.
Leider hatte der Roman für mich auch einige Schwächen. Viele Nebenfiguren blieben sehr stereotyp, manche Szenen oder Charaktere wirkten überzeichnet und einige Handlungsstränge verliefen einfach im Sand. Vor allem hätte ich mir eindeutige Klarheit über Hannas Vergangenheit gewünscht. Das ständige Andeuten hat bei mir irgendwann eher für Ungeduld als für Spannung gesorgt.
Mit dem Ende bin ich ebenfalls nicht ganz glücklich geworden. Zwar fand ich es gut, dass Hanna endlich offen mit ihrer Meinung herausrückt und sich für eine Heilbehandlung entscheidet, wirklich befriedigend war dieser Abschluss für mich aber nicht. Zu viele Konflikte blieben ungelöst, so blieben z.B. Hannas berufliche und private Zukunft weitgehend offen. Das offene Ende an sich hat mich nicht grundsätzlich gestört, sondern eher, dass es sich emotional schon sehr nach „Friede, Freude, Eierkuchen“ anfühlte, obwohl die eigentlichen Probleme erst beginnen, aufgearbeitet zu werden. Zudem wirkte es in meine Augen etwas überhastet.
Trotz meiner Kritik hat mich "Pause" oft berührt und zum Nachdenken gebracht. Vor allem die sensible Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit und familiären Mustern ist Lena Kupke gelungen. Erzählerisch hätte ich mir an einigen Stellen jedoch mehr Konsequenz und weniger Leerlauf gewünscht. Insgesamt bleibt es für mich daher ein lesenswerter Roman mit wichtigen Themen, der sein Potenzial aber nicht ganz ausschöpft.