Ein ungewöhnlicher Roman

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tinakh Avatar

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Das Buch hallt bei mir ziemlich nach, auch Tage nach dem Lesen kreisen meine Gedanken immer wieder um die Geschichte und ihre Protagonistin.

Besonders spannend finde ich die Entscheidung der Autorin, ein zentrales Erlebnis der Protagonistin nie explizit zu beschreiben oder zu thematisieren. Vieles deutet darauf hin, dass es um mehrere Fehlgeburten geht, doch Gewissheit bekommt man nie. Genau das ist gleichzeitig Stärke und Reibungspunkt des Romans: Einerseits erzeugt diese Zurückhaltung eine eindringliche, fast intime Atmosphäre, die Raum für eigene Interpretationen lässt. Andererseits schleicht sich immer wieder das Gefühl ein, als würde einem bewusst etwas vorenthalten – als würde eine Auflösung vorbereitet, die dann nie kommt. Ich bin noch nicht sicher, ob ich das final als irritierend oder konsequent beurteilen möchte.

Ähnlich ambivalent wirkt die Beziehung der Protagonistin zu ihrem Freund. Sie erscheint erstaunlich unreif, fast wie die eines Teenie-Paares – was im Kontrast zu der Schwere der angedeuteten Themen steht. Gerade dieser Bruch mit klassischen Erzählmustern macht den Roman jedoch interessant. Statt erwartbarer Dynamiken entsteht etwas Ungewohntes, das sich nicht klar einordnen lässt und dadurch im Gedächtnis bleibt.

Die Darstellung der Mutterfigur ist wahnsinnig überzeichnet, anstrengend und teilweise schwer auszuhalten. Aber auch hier liegt vermutlich die Funktion in genau diesen Gefühlen, die man beim Lesen erlebt: Sie nervt – und soll es auch.

Insgesamt ist Pause kein Roman, der eindeutige Antworten liefert oder es den LeserInnen leicht macht. Stattdessen lebt er von Andeutungen, Brüchen und einem bewussten Spiel mit Erwartungen. Gerade diese Offenheit macht ihn so besonders – auch wenn sie nicht in jedem Moment befriedigend ist.