Gefühlschaos und Sprachlosigkeit

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Die 36-jährige Hanna hat während einer Präsentation in Magdeburg einen Zusammenbruch und landet im Krankenhaus. Eigentlich lebt sie in Berlin, aber weder ihr Freund, noch andere Freund*innen nehmen sich die Zeit, sie aus dem Krankenhaus abzuholen und nach Hause zu bringen. Ihre Rettungsanker sind ihre Eltern, die sie zurück nach Lüneburg holen.
Und während sie versucht, mit dem Auslöser des Zusammenbruchs - sie hatte wohl ein bis mehrere Fehlgeburten/Abgänge in den letzten Jahren - fertig zu werden, fallen alle Familienmitglieder (sie hat noch eine jüngere Schwester) in alte Dynamiken zurück, soll heißen: allgemeine Sprachlosigkeit und Aggression statt Kommunikation.
Vor allem diese mangelnde Kommunikation und das Gefühl, als erwachsenes Kind im Elternhaus in alte Muster zurückzufallen, könnte vielen Leser*innen bekannt vorkommen.
Einerseits kann ich auch ihren Kampf mit sich selbst, mit der Traurigkeit und Hilf-/Hoffnungslosigkeit gut nachvollziehen. Allerdings ist es auch etwas anstrengend, dass sie sich immer und immer wieder um sich selbst dreht und erst am Ende wirklich mal das Muster durchbricht und sagt, was sie sich von den anderen wünscht.
Was mich auch etwas zwiegespalten zurücklässt, ist der Sprachstil. Lena Kupke schafft es, so ziemlich jeder Figur eine andere Eigenart in der wörtlichen Rede zu geben. Hanna verwendet z.B. gerne Anglizismen ("underboob sweat", S. 44 oder "Rants", S. 143), bei denen ich mich alt fühle, obwohl ich nur 10 Jahre älter bin als die Protagonistin (soll das der Berliner Style sein?).
Nervig fand ich auch den Stil der Mutter (viele, viele Wiederholungen; Eindruck einer chronischen Überforderung) oder den ehemaligen Klassenkameraden ("Ey, Spaaaß! Endgeil!" - ist er 14?).
Einerseits finde ich es bewundernswert, wie man solche Eigenheiten durchziehen kann, andererseits war es mir etwas geballt und übertrieben.
Das vorherrschende Gefühl beim Lesen war Mitleid mit einer Frau, die offenbar in einer schwierigen Lebensphase steckt und von allen allein gelassen wird, aber auch Hemmungen hat, sich Hilfe zu suchen. Und das Bedürfnis, sie in die richtige Richtung zu schubsen, damit sie aus dem Loch endlich herauskommt und sich wie eine Erwachsene um ihre Probleme kümmert.
Trotz kleiner Einschränkungen ein lesenswerter Debütroman, aus dem man für sich etwas mitnehmen kann.