Kind bleibt Kind

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timphilipp Avatar

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Dieser Roman ist einmal eine andere Art von Familiengeschichte. Die 36jährige Hanna kommt nach einem Zusammenbruch und nachdem in ihrem Leben einiges kaputtgegangen ist, bei ihren Eltern in ihrem alten Kinderzimmer unter. Was zunächst nur für eine Nacht gedacht war, wird für sie zur langen Pause, an deren Ende sie schließlich den Neuaufbau ihres Lebens angeht. Der Weg dahin ist natürlich nicht leicht. Das lässt sich gut nachvollziehen. Denn angesichts der inzwischen eingespielten Routinen der Eltern kommt sich Hanna wie ein Störfaktor vor. Doch umgekehrt hat auch sie etwas, was sie an ihrer Familie stört. Bei der Bewältigung eines persönlichen Problems – das übrigens oft angerissen wird, bis zum Schluss aber nicht vollends offengelegt wird (dennoch lässt es sich erahnen) – fühlt sie sich allein gelassen mit Wut und Trauer. Denn die Eltern sind schlichtweg sprachlos und tun so, als wäre alles in Ordnung. Darüber wird sehr eindringlich und wiederkehrend erzählt und hat mich beeindruckt. Der Adressatenkreis dieses Romans ist angesichts der oft saloppen Sprache wohl eher die jüngere Generation. Nicht bedurft, weil nicht weiterführend, hätte es einiger Charaktere wie etwa einer am Ende aus dem Hut gezauberten alten Tante. Nicht lesen will ich in Romanen auch Sexszenen wie auch die sehr rasch entstandene Beziehung von Hanna zu einer Dating-App-Bekanntschaft. Das Cover mit dem plastischen Druck des Buchtitels und des Namens der Autorin gefallen mir übrigens sehr gut.