Ohne Pause durchgelesen

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19cici95 Avatar

Von

Lena Kupke – mir als Stand-up-Comedienne bekannt – hat ein Buch geschrieben. Und das ist mal so gar nicht lustig.

Die 36-jährige Hanna zieht nach einem medizinschen Vorfall erstmal wieder bei ihren Eltern ein. Und muss dort feststellen, dass sich gar nicht so viel verändert hat.
Durchaus amüsant stellt die Autorin die wahren Struggles von Millenials dar: alles wird gebügelt, man selbst fällt ins Teenageralter zurüpck (Kupke beschreibt es als „Verlust des erwachsenen Ichs“), das ständige Verstellen, Ignorieren von Konflikten, man verbirgt vor seinen Eltern nichts zu tun. All das werden wohl die allermeisten erwachsenen Kinder kennen und mit jeder Beschreibung fühlt man sich ein wenig mehr ertappt.
Der Schreibstil von Kupke ist leicht und flüssig zu lesen, doch oft hat sie mich mit ihrer Beschreibung tiefer Gefühle komplett umgehauen.

Es geht viel um die Beziehung zu den eigenen Eltern, die man als Erwachsene erstmals auch als selbstständige Menschen mit eigenen Persönlichkeiten erfährt und wie man mit dieser Veränderung umgeht und vielleicht auch daran wachsen kann.
Die medizinischen Vorfälle, die im Buch nie namentlich benannt werden, aber dennoch klar rüberkommen, belasten Hanna sehr. Sie würde gerne darüber reden, aber ihre Familie traut sich nicht, die Freundinnen leben lieber ihren Hot Girl Summer und auch ihren Freund Paul, der Hanna eigentlich unterstützen sollte, erleben wir nur über Telefonate und Nachrichten. Eine wandelnde Red Flag.
Dagegen ist Alexander ein Mann, der von einer Frau geschrieben wurde. Ein absoluter Traumtyp, der besser ist als wahr zu sein. Das macht es gleichzeitig schön zu lesen, aber leider auch ein bisschen unglaubwürdig.

Die erste Hälfte des Buches hat mir besser gefallen. Hanna ist am absoluten Tiefpunkt ihres Lebens angekommen und muss sich wieder zurück ins Leben kämpfen. Diese Gefühlswelt darzustellen gelingt Kupke wirklich meisterhaft.
Ich kann den Wunsch nach einem guten Ende für die Protagonistin nachvollziehen, doch mir war das Ende schon fast zu kitschig. Fast wie im Bilderbuch.