Rigoros authentisch

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merkurina Avatar

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Das Buch hat ein tolles Cover, das Hörbuch wurde von der Autorin selbst eingesprochen, beides hat seinen Reiz. Wie schon öfter, habe ich mich gefragt, ob ein Buch anders auf mich wirkt, wenn ich es selbst lese oder wenn ich es anhöre. Ich weiß es nicht.
Hier durfte es für mich die Audiofassung sein. Lena Kupke ist Comedienne, sie versteht es, vorzutragen. Sie macht das anders als typische Hörbuch-Sprecher:innen. Manchmal klingen die Personen - Vater, Mutter, “Kind”, Schwester usw. fast so, dass ich sie mir als Comicfiguren vorstellen konnte. Das war witzig und vital, bisweilen etwas unstimmig.

Das Thema ist durchaus ernst: Hanna erleidet eine Panikattacke und einen Zusammenbruch, ihr Freund ist zu phlegmatisch, sie aus dem Krankenhaus abzuholen und eine ganz ungeplante Auszeit beginnt: Die Eigentlich-Berlinerin findet sich plötzlich im Elternhaus in Lüneburg wieder.

Wir erfahren, dass Hanna krasse Erfahrungen gemacht hat - sie hatte zweimal zusammen mit ihrem Freund “Pech”, das Geschehene wird nie so richtig ausgeführt, aber durch Triggermomente, die Hanna erlebt, wird klar, dass es sich um Fehl- oder gar Totgeburten handelt.

Das Buch handelt gleichzeitig davon, wie es ist, als erwachsene Frau wieder in den Kosmos der Kindheit und Jugend zurückzukehren. Und vom Schweigen in Familien, denn niemand will Hanna so nahe kommen, dass über das, was sie erlebt hat, geredet würde. Ein Minenfeld für Hanna, die sich unverstanden und ausgegrenzt fühlt, obwohl sie an sich eine freundliche Familie hat.

Diese Situation, wie mitten im “Erwachsenenleben” eine die Kindheitskonstellation wieder einholt, erreicht manchmal geradezu die Belastungsgrenze. Aber Lena Kupke vermag das gut auszubalancieren.

Manchmal ist es für mich too much Information: Wenn es um Konsum und/oder Körperpflege geht zum Beispiel, manchmal kommt auch die Comedienne dann vielleicht doch raus. Und Tante Irmhild hätte es nicht gebraucht, so haben wir uns in der Pubertät tatsächlich die grässlichen Tanten vorgestellt, von denen ich nicht weiß, ob es die in der Realität wirklich gibt. Und ob sie überhaupt jemanden ernsthaft schrecken können. Aber das nur am Rande.

Pause ist ein Buch, das nicht mehr will, als seinen Inhalt durchzuarbeiten, und das gelingt.