Selfcare

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
robby-lese gern Avatar

Von

„Pause“von Lena Kuppke, erschienen im @dtv_verlag war für mich ein Debütroman, der mich zum Schmunzeln, aber vor allem zu Nachdenken gebracht hat.

„Pause“, was für ein schöner Zustand, vor allem, wenn man wie unsere Protagonistin Hanna gerade einen Zusammenbruch hatte. Raus aus dem Hamsterrad, einfach durchatmen, alle privaten und beruflichen Probleme vergessen und wieder Kraft schöpfen, aber bei den Eltern, im alten Kinderzimmer ?
Hanna hatte einen Zusammenbruch, einfach zusammengeklappt und das nicht das erste Mal, aber diesmal landet sie auf der Unfallstation, bekommt Medikamente gespritzt, sodass sie die Unfallstation nicht alleine verlassen darf . Bei dem Versuch bei den ihren Freunden in Berlin jemanden dazu zu bewegen sie abzuholen, bekommt sie einen Korb nach dem nächsten, noch nicht mal ihr Freund Paul, der mit ihr zusammenlebt,kann kommen, jeder ist mit sich selbst beschäftigt und Hanna hat es nie gelernt, für sich einzustehen und etwas für sich einzufordern, sie will niemandem „zur Last“ fallen. Also ruft sie letztendlich ihre Eltern in Lüneburg an, die sie zu sich nach Hause holen ins heimische Kinderzimmer. Aber auch hier fühlt sie sich fehl am Platz, ihre Eltern haben ihre Alltagsroutinen, bei denen sie anscheinend stört, ihr Freund kündigt ihr am Telefon die Freundschaft und von einem gemeinsames Projekt wird sie auch noch ausgeschlossen, aber eigentlich scheint es niemanden zu interessieren, warum sie so fertig ist und zusammengebrochen ist. Keiner fragt, es wird nicht über Probleme gesprochen und laut wird man auch nicht, denn es könnten ja die Nachbarn hören.

Lena Kuppke spricht in ihrem Buch ein Thema an, was sicher schon viele erlebt haben. Man fühlt sich überfordert, hier scheint es auch noch ein weiteres Erlebnis gegeben zu haben, was aber nicht genau benannt wird, ich vermute eine oder mehrere Fehlgeburten, aber man ist mit seinen Problemen allein. Alle sind mit sich selbst beschäftigt, dem Freund wird die Freundin zu anstrengend, wenn sie Probleme hat und in der Familie wird nicht über Probleme geredet und man selbst findet sich nicht wichtig genug, um Aufmerksamkeit einzufordern. Diese Themen werden hier auf anschauliche und teilweise sehr unterhaltsame Weise beschrieben. Hanna hätte ich am liebsten in den Arm genommen, die Mutter geschüttelt, weil sie ihre Tochter nicht ernst und wichtig genug nimmt und die ganze Verdrängungstaktik in der Familie war einfach nur nervend, aber ich glaube, dass das gar nicht so selten vorkommt und solche Muster sitzen tief und werden weitergegeben. „Einfach weitermachen, irgendwie wird es schon“Auch die Umwelt reagiert oft oberflächlich, man wird zwar gefragt, „wie geht es dir“,erwartet aber im gleichen Atemzug, dass man antwortet“Alles gut“, weil sonst müsste man sich ja mit der Person auseinandersetzen und das kostet Zeit und Empathie, beides Dinge, die in der heutigen Zeit kostbar sind.Für mich war es etwas befremdlich, denn bei uns zu Hause geht es immer lebhaft zu, es wird immer geredet, wenn es Probleme gibt , werden sie angesprochen und ausdiskutiert, auch wenn es dann etwas lauter wird und ich denke es ist gut so, denn wenn man alles runterschluckt, sich immer zurücknimmt wie hier, kommt unweigerlich der große Knall.

Dieses Buch hat mich gut unterhalten, ich habe gelacht, aber auch manches Mal mit dem Kopf geschüttelt und immer wieder gedacht „Leute, redet miteinander“denn dafür sind Freunde und Familie da, vor allem wenn man Probleme hat.
Alexander war übrigens mein Lieblingschrarakter, so einen Freund wünscht man sich und ich hätte gern erfahren, wie es da weitergegangen wäre.Das blieb leider offen.
Ein Debüt, das mir im Großen und Ganzen gut gefallen hat, bis auf ein paar Unstimmigkeiten, die ich aber bei einem Debüt verzeihe.