Ziemlich anstrengend
Das außergewöhnlich schöne Cover von „Pause“ hat mich geradezu magisch angezogen und der Inhalt hörte sich auch interessant an. Eine Mittdreißigerin, die nach einem Zusammenbruch wieder in ihrem Elternhaus in Lüneburg landet und dort ihr Leben sortieren will. Dann die Ernüchterung: die ersten 120 Seiten fand ich einfach nur schrecklich banal. Ich war kurz davor, das Buch abzubrechen, was ich wirklich so gut wie nie mache. Ich habe dann aber doch weitergelesen und den Rest fand ich nicht schlecht. Was mich an diesem Buch ziemlich gestört hat, war diese betont coole Sprache der Wahlberlinerin Hanna. Wenn sie mit ihrer Freundin Nachrichten austauscht, kommt es einem vor, als ob sie sich gegenseitig dabei übertrumpfen wollen, möglichst viele englische Begriffe in einem Satz unterzubringen: ich hatte einen krassen crush auf ihn, wir sind wirklich so best friends, ich habe ihm von meiner Drogen enhanceten Erfahrung erzählt, usw. Die Personen sind mir mit Ausnahme von Hannas Vater durch die Bank unsympathisch, allen voran Hannas Freund, der sie wahlweise „Hannarsch“ oder „Geckokopf“ nennt und nicht, wie man meinen könnte, alles stehen und liegen lässt, um seine Freundin aus dem Krankenhaus abzuholen, sondern stattdessen lieber mit einem Kumpel zu einem Konzert geht und überhaupt von ihr in Ruhe gelassen werden möchte. Hanna, die in ihrem alten Kinderzimmer schläft, mutiert im Elternhaus zu einer trotzigen Teenagerin, die weder an ihren Eltern noch an ihrer Schwester ein gutes Haar lässt. Sie fühlt sich nicht verstanden, sehnt sich nach Zuwendung, ist aber selbst von allen und allem nur genervt. Anstatt eine klare Ansage zu machen, dass sie sich ignoriert fühlt, wirft sie lieber Geschirr auf den Boden. Lena Kupkes Schreibstil, der auf dem Cover als „gnadenlos ehrlich“ bezeichnet wird, war mir teilweise echt zu ehrlich. Muss ich wirklich wissen, dass sie nach einer Intimrasur Pickel auf dem Hintern bekommt? Die Antwort ist ein klares Nein. Wahrscheinlich ist dieses Buch für ein anderes Zielpublikum geschrieben, mich hat es jedenfalls nur eingeschränkt erreicht. 3,5 von 5 Sternen.