Zwangspause

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kuddel Avatar

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Lena Kupke erzählt hier die Geschichte von Hanna aus Berlin, die in Magdeburg zusammenbricht und in die Notaufnahme kommt. Ihr Lebensgefährte hat keine Zeit und Lust, sie abzuholen, so landet sie bei ihren Eltern im Kinderzimmer in Lüneburg, wo sie auch aufgewachsen ist. Dort ist sie eigentlich ein bisschen übrig und möchte gerne wieder nach Hause, doch ihr Körper spielt einfach nicht mit. Immer wieder hat sie Panikattacken und Weinkrämpfe.
Das Leben im Elternhaus katapultiert sie wieder zurück in die Kindheit, viele alte Muster sind plötzlich wieder da. Hannas Körper verlangt eine Pause und sie muss dem nachgeben. Sie hat Zeit nachzudenken und vieles zu hinterfragen. Ihre Eltern und die Schwester sind nicht wirklich herzlich, wobei man nicht weiß, ob das schon immer so war, oder sie mit dieser Situation auch überfordert sind.
Wir erleben den Alltag mit dieser Familie, die sich ausschweigt und nicht auf Spurensuche geht, was mit Hanna geschehen ist, oder wie man ihr wirklich helfen kann. Eine Nachbarin und ein neuer, einfühlsamer Freund einer Dating App schaffen es aber zu Hanna durchzudringen. Bei diesen Menschen kann sie das Unaussprechliche endlich in Worte fassen, dies geschieht, ohne dass man dies mitlesen kann. Hannas Probleme werden während des ganzen Buches nur angedeutet. Lange habe ich etwas damit gehadert. Warum dies nicht wirklich auf den Punkt gebracht wird, sondern es ausschließlich bei Andeutungen bleibt. Letztendlich ist dieses Schweigen aber konsequent, denn Hannas Problem wird in unserer Gesellschaft gerne verschwiegen. Derartige Verluste können Frauen alleine bewältigen, Neuversuche starten oder sich einfach nicht so anstellen.
Hanna versucht bei ihrem Arzt Hilfe für die Bewältigung ihrer Verluste zu bekommen. Als die Familie durch den Tod eines Angehörigen einen gemeinsamen Verlust erleidet, brechen einige Verhärtung auf.
Die Autorin hat die Problematik gut aufgegriffen und erzählt. Durch verschiedene Wendung gelingt es, ihr Dynamik in die Familie zu bringen und Verhärtung aufzubrechen. Sie zeigt auf, dass solche Anfänge schmerzhaft sind und einen Weg bedeuten.
Lena Kupke hat ihr Buch selbst eingelesen, das ist ihr gut gelungen.