Zwischen Beklemmung, Slapstick und Hoffnung

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quilla3 Avatar

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"Du weißt nicht, wie stark du bist, bis du stark sein musst." (Vorwort)

Dieses Buch hat mich sehr berührt, ich habe es regelrecht verschlungen. Mit Hanna konnte ich mich so gut identifizieren wie lange nicht mehr mit einer Protagonistin.

Im Prinzip passiert vom äußeren Geschehen her nicht viel mehr als das, was im Klappentext schon angedeutet wird. Doch bei diesem Buch geht es auch nicht so sehr um eine spektakuläre Handlung, sondern vielmehr um das innere Erleben, das durch den unaufdringlichen, humorvollen und doch eindrücklichen Schreibstil der Autorin spürbar wird. Es ist ein leises Buch, das zum Fühlen und Nachdenken anregt. Ich habe gelacht, ich war wütend und es sind auch ein paar Tränen geflossen.

Die Familiendynamik wurde grandios und fast Slapstick-mäßig beschrieben. Hanna wollte ich abwechselnd in den Arm nehmen und kräftig durchschütteln angesichts ihrer (mangelnden) Kommunikation. Sehr gelungen fand ich, dass ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ganz leise und natürlich geschah und doch deutlich zu spüren war. Ihre traumatischen Erlebnisse werden nur angedeutet, den Rest können wir uns zusammenreimen. Trotzdem oder gerade deshalb fand ich es emotional sehr intensiv und hätte eine Content Note und Triggerwarnung mit einem Hinweis zu Beginn des Buches für sinnvoll gehalten.

Einziger Kritikpunkt von mir: Die Dialoge mit den gleichaltrigen FreundInnen erschienen mir etwas zu aufgesetzt und gewollt cool mit den vielen englischen Begriffen. Das war sicherlich auch satirisch gemeint, aber ich fand es "too much" und es hat mich teilweise ein bisschen aus dem Lesefluss gerissen.

Mein Fazit: Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das mich emotional so abgeholt und berührt hat. Ich kann dafür nur eine große Empfehlung aussprechen, besonders an diejenigen Personen, die selbst Schicksalsschläge erlebt haben und mit den Reaktionen ihres Umfelds zu kämpfen hatten.