Ich kam für Romance. Ich ging mit einem emotionalen Schleudertrauma.

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
travelbooksandcoffee Avatar

Von

Pen Pal ist kein Buch, das man liest. Es ist ein Buch, das einen langsam, höflich und ohne jede Eile auseinander­nimmt. Ich dachte anfangs wirklich: Okay, Dark Romance, ein bisschen Drama, ein bisschen Schmerz – ich bin vorbereitet. Spoiler: War ich nicht.

Kayla ist Trauer in Menschengestalt. Nicht laut, nicht theatralisch, sondern dieses leise, zähe Weiterleben, bei dem man sich selbst beim Funktionieren zusieht. Genau das hat mich erwischt. Nichts daran wirkt geschrieben, alles fühlt sich erlebt an. Ich hatte mehrfach das Gefühl, in Gedanken zu lesen, die eigentlich niemand hören sollte.

Und dann dieser Brief. Eine Zeile. Eine verdammte Zeile. Ab da wusste ich: Das hier wird keine gute Entscheidung. Für Kayla nicht. Für mich als Leserin auch nicht. Die Briefe mit Dante sind gleichzeitig tröstlich, intensiv und so unterschwellig falsch, dass mir beim Lesen permanent der innere Alarm lief. Natürlich habe ich trotzdem weitergelesen. Natürlich.

Aidan wirkt lange wie der sichere Hafen. Der Moment, in dem man denkt: Jetzt wird alles gut. Und genau hier zeigt J. T. Geissinger, wie gnadenlos clever sie ist. Dieses Buch spielt nicht fair. Es streut Hoffnung, nur um sie später genüsslich zu zerlegen. Still. Präzise. Ohne Pathos.

Was mich wirklich fertiggemacht hat, waren die Wendungen. Nicht, weil sie schockierend laut sind, sondern weil sie rückwirkend alles verändern. Szenen, die man schon gelesen hat, bekommen plötzlich ein anderes Gewicht. Und man sitzt da und denkt: Moment. Nein. Warte. Oh.

Ich habe das Buch beendet, es zugeklappt und einfach eine Weile angestarrt. Nicht, weil ich verwirrt war – sondern weil ich wusste, dass mich diese Geschichte noch eine ganze Zeit begleiten wird.

Pen Pal ist düster, emotional manipulativ (im besten Sinne), schmerzhaft ehrlich und unfassbar gut konstruiert. Kein Wohlfühlbuch. Kein Trostpflaster. Sondern ein Roman, der bleibt, kratzt und nachwirkt.

Ich hasse es ein bisschen.
Ich liebe es sehr.