Tiefe Beziehungsgeflechte

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Kann man zwei Menschen gleichzeitig lieben?
Genau diese Frage hat mich durch „People in Love“ begleitet. Ein Roman, der darauf so ehrlich, differenziert und lebensnah antwortet.
Die unglaubliche Authentizität der Figuren hat mich sofort in deren Gefühlswelt katapultiert. Das hier ist keine Romcom, die in Schwarz-Weiß-Denken verfällt. Der alte Jugendschwarm taucht eben gerade nicht als Retter auf und befreit Nora aus ihrer unglücklichen Beziehung, denn sie liebt Robin und ihr gemeinsames Leben. Gleichzeitig sind die Gefühle für Bren aber nie ganz verschwunden. Genau diese innere Zerrissenheit wird sehr glaubwürdig dargestellt.
Im Roman geht es aber um weit mehr geht als um Romantik. Im Mittelpunkt stehen Beziehungen in all ihren Formen. Die Liebe zwischen Partnern, Freundschaften, die Jahre überdauern, und familiäre Bindungen, die kompliziert, schmerzhaft und trotzdem bedeutsam bleiben. Vor allem Noras Beziehung zu ihrer Mutter hat mich sehr berührt.
Auch schwierige Themen werden mit viel Tiefe behandelt. Die psychische Erkrankung von Brens Mutter Josie prägt nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihres Sohnes. Ebenso werden Brens Verlust und das Trauma, das ihn schließlich aus Noras Leben gerissen hat, sensibel und nachvollziehbar aufgearbeitet. Auch unterschiedliche Lebensentwürfe werden ohne Bewertung gezeigt, was nicht nur Nora darüber nachdenken ließ, wie sie wirklich leben will und was sie richtig glücklich macht, sondern auch mich.
Wer aber aufgrund des Covers eine leichte Liebesgeschichte erwartet, sollte wissen, dass hier etwas ganz anderes wartet. „People in Love“ ist eine kluge, berührende und tiefgründige Auseinandersetzung mit Liebe, Verlust, Familie, Freundschaft und der Frage, wie wir mit den Menschen umgehen, die unser Leben geprägt haben.
Trotz dieser emotionalen Schwere liest sich der Roman unglaublich flüssig. Claire Daverley verliert sich nie in endlosen Analysen, sondern erzählt ihre Geschichte mit einer überraschenden Leichtigkeit.